ANGELAUSZEIT - AUF DIESE DINGE MUSS MAN ACHTEN

Warum Angelurlaub? Warum einfach nicht mal eine richtige Auszeit nehmen, nur zum Angeln, und sich dabei lang gehegte Träume erfüllen? Dachte sich unser Autor Marcel Winkens und hängte das „Gone Fishing“-Schild einfach mal ein paar Monate an seine Bürotür.

Angelurlaub nur eine Woche, und die an einem Gewässer. Dann wollen wir unter Hochdruck angeln, egal wie die Bedingungen sind, und irgendwie die mitgereiste Familie noch glücklich halten. Mit Müh und Not knapsen wir uns einen Vormittag und zwei Nachmittage zum Angeln ab, schon unter großer Missbilligung der mitgereisten Partner.  So sehen ja nun mal die meisten Angelurlaube in der Realität aus. Von Ruhe und Entspannung am Wasser, endloser Zeit zum Fischen und Traumfängen hat das leider nur wenig.

Da stellt sich dem Vollblut-Angler nahe der Midlife-Krise doch die Frage, ob da nicht noch mehr geht. Eine Auszeit von ein paar Monaten zum Beispiel, mit freier Zeiteinteilung, ohne Familie. 

Angeln dann, wenn es sinnvoll ist
Angeln zu den Zeiten, zu denen es wirklich Sinn macht, mit Ausnutzung von Morgen- und Abenddämmerung für Fischzüge und einem gepflegten Mittagsschlaf. Und an kalten Tagen mit starkem Wind, Hagel und Regen oder Tagen mit sengender Sonne, lässt man die Fische einfach Fische sein und wartet auf besseres Wetter. 

An abgelegene Gewässer reisen
Auf einem langen Trip lohnt sich das Angeln an Gewässern, die  zu abgelegen sind, als dass man „mal eben“ dorthin fahren könnte. Ein ungünstiges Aufwand-/Fang-Verhältnis schreckt dann viele ab, solche Gewässer zu besuchen. Aber wenn man reichlich Zeit hat, dann ist eine lange Anreise im Verhältnis nicht mehr so aufwändig, und zwei bis drei Tage an solch wenig befischten Gewässern entschädigen für Vieles. Und selbstgefangene Fische auf dem Grill oder in der Pfanne ebenso. Fassen Sie solche schwer erreichbaren Gewässer für lange Angeltrips ins Auge.

Gleichzeitig andere Lebensträume realisieren
Bei einem langen Angeltrip lassen sich Sachen umsetzen, die bei einem Kurztrip als zu abgefahren erscheinen. Mit dem Kajak den Yukon runterfahren.  Grönlands Gewässer erwandern. Mit dem Motorrad und der Fliegenrute durch Feuerland. Ein Sommer am Lac de Cassien auf Monsterkarpfen. Oder was immer Sie reizt. Lange Angel-Auszeiten sind da, um lang gehegte Reise-Träume in einem mit zu realisieren.

Zeit haben
Zeit - sonst ein Luxus - wird bei einem langen Angeltrip anders bewertet und anders genutzt.  Die An- und Abreise ist mehr als nur ein Hin und Weg vom Gewässer, sie ist selbst Teil des Trips, bietet vielleicht schon erste Angelmöglichkeiten.  Im Zielgebiet angekommen, kann man sich Zeit nehmen,  die Gewässer zu beobachten.  An großen und häufiger befischten Gewässern kann man zunächst mit anderen Anglern sprechen und gute Stellen erkunden, kann lokalen Experten beim Fischen zusehen und sich ein paar Tricks und Kniffe abschauen, ohne ständig das Gefühl zu kriegen, „eigentlich müsstest Du jetzt selbst angeln“.  Man kann in aller Ruhe Lizenzen und Köder besorgen, mit dem Angelgeräteverkäufer reden und weitere Informationen sammeln. Und dann geht man angeln. Wann man will, wie man will, wo man will, soviel man will. Man hat ja Zeit.

Als Angler wachsen und zu sich kommen

Ein langer Angeltrip lässt einen den Wert der genauen Gewässerbeobachtung für den späteren Fangerfolg, aber auch für das damit verbundene Naturerlebnis intensiv erfahren. Man spürt wieder, was das eigene Hobby eigentlich so toll macht, schärft die Sinne und wächst als Angler. Produktive Routine stellt sich ein, man weiß irgendwann, wie man an den Fisch kommt, die Fänge werden gut, richtig gut. Bei einem langen Angeltrip kommt man in einen unglaublichen Flow, man wird eins mit Wasser, Rute und Umgebung. Man lernt, wieder alle Sinne zu fokussieren und den Alltagsstress auszublenden.  Ein langer Angeltrip kann neben der Reise an schöne Gewässer auch eine tolle Reise zu sich selbst sein. Probieren Sie es doch mal aus.

 

3 Dinge, die unbedingt mit müssen:

  • Eine ordentliche Fischpfanne, um den Fang selbst zuzubereiten
  • Gute Bücher für Regentage
  • Das Smartphone, zivilisationsnah unentbehrlich für spontane Planungen und Planänderungen

3 Dinge, die man zuhause lassen kann:

  • Unterhaltungselektronik über das Smartphone hinaus.
  • Die 5. Wäsche-Garnitur zum Wechseln. Wer länger als eine Woche fährt, wäscht am besten irgendwo.
  • Reserven von allem, was man im Supermarkt kaufen kann. Denn wer länger unterwegs ist, findet dort, wo Menschen wohnen, immer eine Möglichkeit einzukaufen, egal wie entlegen der Winkel der Welt ist.

 

  1. DO‘s für einen langen Angeltrip
  1. Planen Sie grob, was Sie machen wollen.
    Welches Ziel? Welche Gewässer? Wie angeln? Welche grobe Route? Welche Fixpunkte und Fixzeiten gibt es für die Reise?
  2. Bleiben Sie während der Reise flexibel.
    Wenn Sie zu früh tagesgenau planen, was Sie machen wollen und wo Sie sein wollen, gibt es zu viel, was Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen kann:  Die Karre verreckt. Es regnet die nächsten vier Tage. Ein Sandsturm kommt morgen. Sie müssen zum Arzt. Je mehr Sie vorbuchen, desto mehr wird die lange Reise doch wieder zum Stress, weil immer mehr wieder miteinander verzahnt ist. Nutzen Sie Lücken in der Planung zum Entschleunigen, ja bauen Sie diese Lücken bewusst ein. Buchen Sie Guides, Unterkünfte, Ausflüge und Lizenzen nach Möglichkeit vor Ort. Das hält flexibel.
  3. Weniger ist mehr.
    Packen Sie, was Sie mitnehmen wollen. Staunen Sie, wie viel das ist. Und dann reduzieren Sie. Weniger Wäsche, weniger Angelgerät, weniger Kunstköder, weniger Lebensmittel. Und kein Schnickschnack. Je weniger Sie mithaben, desto besser werden Sie es nutzen. Und wenn etwas fehlt, können Sie es kaufen, oder per Express nachsenden lassen.  Das funktioniert selbst nach Grönland binnen eines Tages. 
  4. Für jede Angelart, die Sie machen wollen, nehmen Sie zwei Ruten mit. Zwei Spinnruten, zwei Fliegenruten, zwei Bootsruten, zwei Brandungsruten und so weiter.  Eine Rute kann immer mal kaputt gehen. Irgendwo kann man eine neue kaufen. Aber wenn eine kaputt geht, ist immer noch eine ganz. Sie können angeln. Und darum geht es.
  5. Führen Sie ein Reisetagebuch. Nichts ist schöner, als ein paar Jahre später, wenn das Hamsterrad Sie wieder hat, in diesen Seiten zu blättern und noch mal die Reisezeit im Kopf nacherleben zu können.

5 DONT’s für einen langen Angeltrip

  1. Permanente Einsamkeit

Planen Sie keine monatelange Einöde, wenn Sie sonst gesellig sind. Dann fahren vielleicht am besten von vorneherein zu mehreren. Treffen Sie auch bei  Ihrem Angeltrip Leute, andere Angler oder die Menschen, die dort leben. Reden Sie mit Ihnen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Vereinsamung geht in entlegenen Gebieten schnell. So nach drei Tagen beginnen die ersten Selbstgespräche. Man sieht Trolle, Bären, Yetis. Deswegen, immer wieder Stationen in der Zivilisation einplanen. Es soll ja Spaß machen.

  1. Eine Rute wird´s schon richten

Sie haben es, das Wunderstöckchen, die Alles-in-Einem Rute. Ein Reisestock zum Spinn- und Fliegenfischen mit 5 bis 250 Gramm Wurfgewicht, selbst leichtes Bootsfischen ist möglich. Blödsinn! Eine Rute ist selbst für Minimalisten zu wenig für einen langen Trip. Sie werden viel angeln, und da soll es doch auch Spaß machen. Nehmen Sie gutes Gerät und Gerät, das speziell ausgelegt ist für die Angelarten, die Sie ausüben wollen. Und verlassen Sie sich nicht auf die eierlegende Wollmilchsau, die angeblich alles kann. Diese Ausrüstung darf dann wieder mit auf den einwöchigen Schwedentrip mit Familie im nächsten Jahr. 

  1. Fisherman‘s Burnout

Gehen Sie ruhig viel und oft angeln. Aber wer monatelang nur Angeln geht, dem wird auch das irgendwann zu öde, es droht der Fisherman´s Burnout. Die Freude am Angeltrip droht, verloren zu gehen. Deswegen schauen Sie, was es sonst noch zu erleben gibt. Planen Sie auch ein paar anglerische Ruhetage ein. Gibt es irgendwelche Museen, Orte oder Festivals in der Nähe? Eine willkommene Abwechslung, gehen Sie hin. Und dann gehen Sie wieder angeln.

  1. Unterschätzen Sie die Kosten nicht

Gerade in entlegenen Gebieten lässt es sich sparsam leben, insbesondere, wenn Sie auch selbst Fisch essen. Aber wenn etwas passiert, zum Beispiel mit der Gesundheit, dann wird es teuer. Und beim Arzt im Ausland sind Sie zunächst einmal Privatpatient. Eine Wurzelbehandlung schlägt dann schon mal mit einem Tausender zu Buche, das durfte ich selbst erleben. Sind Sie mit dem Auto unterwegs, so kriegt die Kiste früher oder später ihre Probleme und ein Werkstattbersuch wird fällig. Deswegen planen Sie am besten mit mehreren Budgettöpfen. Reisekosten und Spritkosten,  ein Tagesbudget für Lebensmittel, Lizenzen und Unterhaltung, aber zusätzlich ein Budget für Notfälle, Reparaturen und sonstige Unwägbarkeiten.

  1. Sagen Sie keinem, wo Sie sind

Machen Sie aus Ihrem nächsten Etappenziel kein großes Geheimnis, insbesondere nicht in entlegenen Gebieten. Informieren Sie Freunde und Bekannte, dass Sie jetzt drei Tage offline sind und wo Sie hinfahren. Melden Sie sich bei der Einfahrt in Nationalparks bei der Parkverwaltung, sagen Sie, wann Sie wieder zurück sein wollen und melden Sie sich zurück. Wenn keiner weiß wo Sie sind, wird man Sie im Zweifel und im Notfall nicht finden.  

AM HAKEN