On the Road: Olaf und Jan in Wisconsin

Diesmal: Wisconsin

 

Es ist Herbst, als wir spontan beschließen, einen Roadtrip durch die USA zu machen um unserer Leidenschaft fürs Angeln, Football und Craft Beer nachzugehen. Gesagt, getan! Schnell sind wir uns einig, dass wir einen Campingtrip von Chicaco aus am Lake Michigan entlang bis nach Green Bay machen, um dort ein Spiel von den Green Bay Packers zu besuchen. Anschließend wollen wir uns wieder nach Chicago treiben lassen und auf dem Weg dorthin die Angeln auswerfen.

 

Wir treffen uns in Chicago am Flughafen, doch da gibt es die ersten Probleme, die Campervermietung hat bereits geschlossen. Irgendwie kommen wir doch noch geschafft an unser riesiges Gefährt und sitzen bald im Cockpit unseres rollenden Heims für die nächsten acht Tage. Der Camper ist so riesig, dass wir locker noch drei Leute mehr hätten mitnehmen können. Ein tolles Teil!

 

Wir machen uns sofort auf den Weg Richtung Norden, wo wir am nächsten Tag das Spiel der Packers gegen die Chicago Bears sehen wollen. Wir fahren noch ein paar Stunden, damit der Weg am nächsten Tag nicht mehr so weit ist, unterwegs decken wir uns noch mit Craft Beer, Proviant und ein paar Klamotten ein. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz eines verlassenen Freizeitparks, trinken noch ein Bier und hören den Kojoten zu, wie sie den Mond anheulen.

 

Milwaukee:

 

Die erste Nacht im Wohnmobil ist super. Olaf macht es sich im Heck des Wohnmobils gemütlich und ich schlage mein Schlaflager über der Fahrerkabine auf. Viel besser kann man auch zuhause nicht schlafen! Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir Milwaukee und kehren im berühmten „Miss Katies Diner“ für ein Frühstück ein. Hier waren schon Helmut Kohl, Bill Clinton und die Obamas. Wir gönnen uns erstmal ein Steak mit Rührei und hängen noch eine Brauereiführung bei Miller an. Das hat zwar nichts mit Craft Beer zu tun, aber es ist beeindruckend zu sehen, wie groß diese Brauerei ist.

 

Green Bay

 

Nach der Brauereiführung machen wir uns von Milwaukee auf nach Green Bay, knapp drei Stunden Fahrt. Es geht vorbei an jeder Menge Feldern und Land, langsam kommen die Käse- Geschäfte zum Vorschein, von denen die „Cheeseheads“ (Spitzname der Green Bay Packers) ihren Namen haben. Der Name kommt von den Leuten, die damals den Käse gepackt und verschickt haben in die gesamte USA. Damals heißt so in den zwanziger und dreißiger Jahren.

Bei den Packers ist das Stadion seit mehr als 40 Jahren bei jedem Heimspiel ausverkauft mit mehr als 85.000 Zuschauern. Ich bin schon immer Fan des Teams, weil die Fans den Club besitzen, und das gibt es nur einmal auf der ganzen Welt im Profisport! 350.000 Eigentümer haben die Packers mittlerweile, über die ganze Welt verteilt. Jan ist sofort begeistert und findet die gesamte Region und auch die Geschichte faszinierend.

Wir haben noch ein wenig Zeit bis zum Spiel, als wir ankommen, und schauen uns noch schnell die Stadt an, bei 100.000 Einwohnern schnell getan. Natürlich darf ein Besuch bei Cabelas, dem Mekka des Angelns und Jagens, nicht fehlen. Was ein Shop, der Hammer! Wasserwelten, Tierwelten und jede Menge spektakulärer Möglichkeiten, hier einen ganzen Tag zu verbringen. Sogar Essen gibt es hier.

 

Zwei Stunden hängen wir im Laden rum und machen uns dann im Camper auf zu der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Man muss sich einmal vorstellen: Green Bay hat 100.000 Einwohner, und bei einem Spiel sind mehr als 85.000 Zuschauer im Stadion. Wir parken in Sichtweite des Stadions, dort, wo die ganzen Fans unterwegs sind, und zahlen für den Parkplatz 40 Dollar. Dem Ordner noch ein Bier ausgegeben, über Green Bay quatschen und schnell noch in den Pro Shop ein paar Andenken kaufen. Dann nen Burger auf die Schnelle und noch auf die Fanmeile. Hier in Amerika wird „Tailgating“ betrieben, das heißt, die Leute grillen aus dem Kofferraum heraus, und das Stunden vorher. Da werden Würstchen, Steaks und Finger- Tipps gegrillt, viel getrunken, und es ist eine sehr angenehme Stimmung. Wir gönnen uns ein paar Bierchen vorher, sprechen mit vielen Fans über die Packers, das Angeln hier und Jans Lieblingsthema, Craft Biere in den USA und Europa.

 

Und ab ins Stadion. Was für ein Erlebnis! Die ganzen Fans am Abend, die Stimmung und das Stadion sind der Hammer. Green Bay gewinnt deutlich, Aaron Rodgers, der Quarterback, ist nicht zu stoppen von Chicago. Nach dem Spiel ziehen wir weiter in die Stadt in eine der wenigen Bars dort. Da sehe ich dann einen großen, muskulösen Mann in der Ecke stehen. Es ist Letroy Guion, Defensive End von Green Bay, und wir kommen sofort ins Gespräch. Was ein Schrank! Bestimmt 145 Kilo und zwei Meter groß. Er angelt auch, und wir lachen viel und er erzählt uns davon, dass er unbedingt einmal nach Deutschland kommen will, da er mal richtig auf Hecht gehen möchte. Wir laden ihn natürlich und spontan ein, mal sehen, was daraus wird! Wir trinken später noch das eine oder andere Bierchen, denn neben unserem Wagen schlafen auch noch eine Menge Fans, und es wird bis spät in die Nacht gegrillt und gefeiert.

 

Morgens wachen wir einigermaßen gerädert auf. Frühstück gibt es in dem Kult-Diner direkt am Stadion, und jeder von uns nimmt ein Packers- Frühstück. Gebackener Käse mit ein wenig Toast und Bechamel-Sauce. Mmhh, lecker, aber nahe dran am Overkill. Überall in dem Diner hängt etwas zur Historie von Green Bay, Spieler, Trainer und Offizielle, die alle schon hier waren. Der Kaffee wie immer aus dem Filter, aber es schmeckt einfach.

 

Wir müssen langsam los, fahren Richtung Lake Michigan, verlassen Green Bay ostwärts, um dort an ein paar geeigneten Stellen auf die Suche nach Lachsen zu gehen und auch die eine oder andere Forelle zu fangen. Leider sind wir zu spät dran in der Gegend, und wir finden nur tote Lachse oder welche, die nahe dran sind zu sterben. Diese treiben überall in den Flüssen, und es ist schon trotzdem ein tolles Erlebnis, wenn man den Lebenszyklus auch einmal bis zum Ende verfolgen und diese majestätischen Tiere auf ihrer letzten Station des Lebens noch einmal sehen kann. Wir fahren zu einer Fisch-Zuchtstation weiter und wollen mehr erfahren. Dort gibt es noch eine Menge mehr über die Tiere und deren Aufzucht zu erfahren, denn hier wird besonders darauf geachtet, wenn es um die nachhaltige Reproduktion geht.

 

Wir erhalten von John Smith - wie kann er auch anders heißen? - den Tipp, an den Lake Michigan zu fahren, an einem Hafen zu übernachten und dort angeln zu gehen. Das machen wir und kommen gegen Mittag dort an. Zwei andere Angler befinden sich auch dort und empfehlen uns, nicht von der Mole aus zu angeln, sondern zwischen den Booten. Das machen wir und sind erfolgreich. Zwar eher kleinere Hechte, aber wir fangen welche und Jan verliert kurz vor dem Steg einen Kapitalen, der so um die acht Kilogramm hatte.

 

Die Schnur reißt ab, das ist ärgerlich, wir lassen uns die Motivation aber nicht nehmen. Die kleinen Hechte lassen wir wieder schwimmen, aus der Mahlzeit für den Abend, bei der es Fisch geben sollte, wird wohl nichts, und wir grillen im Hafen direkt vor Ort unsere vorher gekauften New York Strip Steaks. Dazu gibt es einen tollen Whiskey von Knob Creek, einfach klasse! Wir sinken ins Bett, und es geht den nächsten Morgen weiter Richtung Süden und Milwaukee und danach Chicago und wieder halten wir an einem Diner an, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird...

 

Die Rede ist von „Late’s Diner“ in Manitowoc, an dem wir nur zufällig vorbeigekommen sind. Hier gönnen wir uns einen Milkshake, der es in sich hat: Bacon, Maple Syrup, Vanilla! Natürlich mit knusprigen Bacon Stückchen!!! Wirklich der beste Milchshake, den ich je getrunken habe. Dazu gibt es einen zünftigen Burger und Fried Cheese Curds, frittierte Käsestückchen in knuspriger Hülle. Wir versuchen, alles aufzuessen, aber müssen dann aufgeben. Wir sind so vollgefressen, dass wir erstmal einen Mittagsschlaf machen und wir schwören uns, das Abendessen ausfallen zu lassen.

 

Am Nachmittag angeln wir wieder an einem wunderschönen Spot am Lake Michigan, wir sehen die Forellen aus dem Wasser springen, aber leider erbarmt sich heute keine, uns an der Angel Gesellschaft zu leisten. Wir lassen den Abend in Port Washington ausklingen, wo wir in einem kleinen Pub den Craft-Beer-Himmel entdecken. Andrew vom Sir James Pub hat eine Auswahl von unglaublichen 865 Craft Bieren aus Fass und Flasche. Wir probieren Witbiere mit Brombeeren, Smoked Porter mit Bacon und noch viele mehr. Nach 3 bis 20 Bieren fallen wir glücklich ins Bett und beschließen, morgen wieder ein Stückchen weiter Richtung Süden zu fahren und noch einmal richtig zu angeln, denn morgen ist der letzte Tag. Übermorgen müssen wir wieder in Chicago sein und unseren Camper abgeben.

 

Wir machen Halt an einem kleinen Fluss, und direkt sehen wir die Lachse springen. Wir angeln mit einer Montage, die uns der Verkäufer im Cabelas empfohlen hat. Eine Fliege, die aussieht wie Lachsrogen, einfach an ein Vorfach gebunden und mit ein bis zwei Schrotbleien beschwert.

 

Es dauert nicht lange, da habe ich einen dran, ich merke direkt, wie er eine Flucht antritt. Die Bremse der Stella 4000 schreit und ich auch: „Olaf!! Jungeeee, ich hab einen!!“ Olaf stürmt sofort zu mir, und in diesem Moment springt der Lachs aus dem Wasser. Ein ordentlicher Kaventsmann in wunderschönem roten Laichkleid. Leider war es das auch schon, nach dem Sprung hakte er sich aus, und weg war er. Ein ziemlich bitterer Moment, nachdem ich ja auch schon einen kapitalen Hecht verloren hatte. Inzwischen ist es schon Abend, und wir beschließen, ein Bierchen zu trinken und kurz vor Chicago Halt zu machen, um in einem Casino unser Glück zu versuchen.

 

Das Casino ist riesig, überall sitzen Leute an Spielautomaten und Spieltischen. Olaf versucht sein Glück beim Black Jack, und ich setzte mich an einen einarmigen Banditen. Beim ersten Anlauf kann ich meine fünf Dollar Einsatz verzehnfachen und gehe zur Auszahlung. Bei Olaf läuft es auch gut, und er kann 65 Dollar gewinnen. Wir machen uns nun auf zu unserem Wohnmobil, um noch ein bis zwei von unseren neu entdeckten Lieblingsbieren zu trinken: New Belgium Citradelic, ein kräftiges IPA eingebraut mit Mandarine. Wir schauen uns noch ein paar Fotos der letzten Tage an und bleiben dann einfach bis zum nächsten Morgen auf dem Casinoparkplatz. Olaf holt sich noch einen Frühstückskaffee im Casino, und dann machen wir uns auf nach Chicago, um den Camper abzugeben und wieder Richtung Heimat zu fliegen.

 

Es war ein Wahnsinntrip. Keine Verpflichtungen, tolle Erlebnisse und einfach das Gefühl von Freiheit, und das Alles zu einem bezahlbaren Preis: 500 Dollar Flug pro Person hin und zurück, knapp 1000 Dollar für den Camper und 800 Dollar für Verpflegung und Sprit. Wenn ihr jetzt auch Lust bekommen habt, einen Roadtrip zu machen, meldet euch einfach bei uns!

 

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