Florida

Ein kleiner Ausflug ins Paradies

 

Das Klima, die Natur, das Licht – es gibt viele Gründe, warum Florida immer eine Reise wert ist. Auch als Angler ist man schnell überwältigt von der Vielfalt der Möglichkeiten und Fischarten. Unser Autor hat sich auf den Weg nach Captiva Island gemacht.

Text & Fotos: Olaf Jochmann
 

Ich lande in Miami an einem klassisch schönen Mittag im Januar. Schwüle kann man das nicht mehr nennen, denn als ich aus dem Flughafen komme, wird mir fast schwindelig. Zu Hause um die 5 Grad und Winter und Nässe ohne Ende, hier Sonne satt und einfach herrliche tropische und feuchte Temperaturen von 30 Grad.

 

Der Plan ist, von Miami aus mit dem Auto ein wenig zu erkunden, was es so alles Tolles gibt an Angelmöglichkeiten. Ich werde im Frischwasser angeln in den Everglades, werde spontan aus dem Auto aussteigen und Kanäle beangeln, dabei direkt neben Krokodilen fischen. Dann geht es auf den Golf von Mexiko, das wollte ich schon immer mal.

 

Einen definitiven Plan gibt es nicht, nur eine Verabredung morgen früh auf Captiva Island, der nördlichen Insel oberhalb von Sanibel Island im Golf von Mexiko. Also komme ich erst einmal langsam an, hole mir am Flughafen einen großen Milchshake, das muss sein, warte noch auf meinen Mietwagen, und ein paar Minuten später bin ich schon auf der Straße. Das Ziel heißt erst einmal Everglades, dort will ich auf Schwarzbarsche angeln, das ist hier angeblich nicht besonders schwer.

 

Ich halte einfach an, als ich eine kleine Raststelle nach einer knappen Stunde mitten in der Wildnis vor mir sehe, die tauchen am Highway im Fünf-Minuten-Takt auf. Die Route ist dafür bekannt, und ich genieße die nachmittägliche Sonne ein wenig. Vor mir angelt eine Familie. Sie ziehen einen Catfish nach dem anderen aus dem Wasser, und der wird hier sofort in die Mülltonne entsorgt. „Davon gibt es hier zu viele, die töten alle anderen Fische und somit ist es nicht schade drum!“ so George, der mit seiner Tochter und seinem Bruder immer wieder hierhin kommt.

 

Nicht gerade beschaulich an der Bundesstrasse, aber als ich ins Wasser blicke, da wird mir klar wieso. Es tummeln sich hier Barsche aller Art, oben die kleinen, darunter einige dickere Brocken bis sicherlich 40 oder 50 Zentimeter. Das Wasser ist nicht tief, in zehn Metern Entfernung sitzt ein Alligator, der hat wahrscheinlich so viel zu fressen hier, der ist im Schlaraffenland.

 

Sie nehmen einfach Würmer, hängen diese an einen Haken und warten, was passiert. Und es passiert eine Menge. Immer wieder sind kleine Barsche dran, aber auch ab und zu etwas Großes. Die großen Barsche werden direkt getötet und in den Cooler gepackt. „Wir machen aus dem Filet leckere Fischstäbchen, die sind besonders gut hier!“ Die beiden Männer und die Tochter sehen jetzt wirklich nicht so aus, als wenn sie auf die Ernährung achten würden, aber was soll es denn auch?

 

Ich hole meine Angel aus dem Auto, buddle kurz nach Würmern und lege selbst los. Es geht alles recht schnell, und ich habe Schwarzbarsche an der Angel, und zwar in Hülle und Fülle.

Ich gebe sie den Dreien mit, mir ist heute Abend nach Bier und Burger. Ich reise weiter und es geht nach Captiva Island, in das Captiva South Seas Resort. Dort bin ich am Morgen verabredet mit Captain Ozzie Fisher, einer Angel-Legende. Eigene TV-Show auf ESPN, mehrfacher Gewinner von internationalen Wettbewerben und eigentlich ungeschlagen auf dem Golf von Mexiko in vielen Kategorien.

Das South Seas Resort ist ein idealer Ort für die Erholung. Man fährt auf die nördlichste Spitze der Insel Captiva Island. Das Resort erstreckt sich über fünf Kilometer, am Strand entlang gibt es wundervolle Häuser zur Miete, dazu ein Hotel im Zentrum und mehrere Poolanlagen, die immer einen Blick auf das wundervolle Meer bieten. Zu essen muss man sich nicht sorgen, wir sind in Amerika, und hier gibt es alles was das Herz begehrt.

 

Ich übernachte in einem kleinen Condo, sehr nett hier. Um halb Vier morgens kann ich nicht mehr schlafen, der Jetlag. Ich gehe an den Strand und sehe Spuren von Schildkröten im Sand. Delphine, Mannatees und Haie sind hier auch gern und nicht so gern gesehene Gäste. Man muss vorsichtig sein, wir sind hier mitten in der Wildnis.

 

Wer es ein wenig günstiger will, dem kann man nur empfehlen, Cape Corel ins Auge zu fassen. Hier gibt es preislich interessante Häuser, meist mit Pool, ideal für Familien als Ausgangspunkt, und man ist in 40 Minuten in Captiva und einer halben Stunde auf Sanibel Island. Perfekte Strände, und man kann hier viel erleben, einfach toll!

 

Ich gehe weiter am Strand entlang und treffe um vier Uhr morgens, na was? Einen Angler! Steven aus Michigan ist mit seinem Kumpel extra über das Wochenende von Michigan nach Captiva gekommen und will hier so viel angeln, wie es nur geht. Um die Jahreszeit geht hier wirklich vieles an Fischen, manchmal weiß man gar nicht, was alles. Sie wollen im Redfish Pass angeln, dort sind tiefe Strömungen, und große und kleine Fische kommen hier rund um die Uhr zwischen dem Golf von Mexiko und dem Inland-Flussbereich hindurch.

 

Snapper, Snooks, Seatrouts, alles drin und noch einiges mehr. Für mich unfassbar, denn die Vielfalt ist enorm und für uns Europäer einfach nicht nachvollziehbar. Die Sonne geht langsam auf, ich muss gleich zum Hafen. Ich freue mich tierisch drauf, meine Müdigkeit spüre ich noch nicht wirklich, zu aufgeregt bin ich.

 

Ich hole mir noch schnell einen Kaffe und eine Cola im Laden am Hafen, und schon geht es los. Ozzie empfängt mich herzlich und wir machen uns direkt auf! „Was willt Du enn fangen?“, fragt er mich. „Mir egal, entscheide Du!“ Wir gehen auf Snook, das geht gut zu der Jahreszeit, und wir peilen eigentlich immer wieder die Austernbänke an, wo der Snook und andere Räuber unterwegs sind.

 

Auf einmal, wir steuern die Austernbank an, da bewegt sich ein riesiger Schatten in unmittelbarer Nähe. „Hai! Bestimmt sechs Meter lang! Das war einer!“ Ich muss mich erst mal setzen. Schwimmen geht hier wohl heute eher nicht mehr ... Ozzie und ich unterhalten uns über NFL Football, über Trump und die Welt. Er füttert immer wieder mit kleinen Fischen an, bevor er haltmacht. Da bewegt sich dann sofort recht viel, denn die Räuber schnappen sich den Futterfisch direkt. Es geht recht fix, und wir haben einen an der Angel und dann auch wenige Minuten später eine Meerforelle. Die nehmen wir direkt mit, die gibt es dann am Abend frisch zubereitet im Hafen. Das erfolgt kostenlos, und man zahlt nur die Zutaten zum Essen. Es gibt Kohlsalat, Zwiebelringe XXL und ein Bier am Abend. Danach falle ich quasi direkt von der Theke ins Bett. Ich liebe die USA, und Florida ganz besonders.

 

Am nächsten Morgen gehe ich noch ein wenig in den Pool, dann mache ich mich mit dem Wassertaxi auf nach North Captiva Island und dann auch nach Pine Island, um ein paar Mangroven-Snapper zu fangen. Die sollen wirklich nach Honig schmecken, da sie zwischen den Mangroven leben und das Wasser dort sehr süß ist.

 

Man angelt sie am besten mit kleinen Shrimps. Das funktioniert auch prima. Ich verliere die ersten Montagen an den Wurzeln, aber dann fange ich einige. Leider sind sie zu klein zum Essen, und ich muss am Abend auf das Menü zurückgreifen in der berühmten Crazy Flamingo Bar, aber hier gibt es auch Mangroven-Snapper. Auf dem Rückweg sehe ich noch ein paar Waschbären, die sich an den Mülleimern zu schaffen machen. So große Waschbären habe ich allerdings noch nie gesehen, die sind so groß wie Labradore...

 

Ich schlafe trotzdem recht schnell ein, morgen geht es schon wieder zurück nach Miami und dann nach Deutschland. Was für ein Wahnsinn, die Vielfalt, die Natur, das Licht, ich träume sehr gut ... Und eines ist klar: Ich komme auf jeden Fall wieder hierhin zurück, denn das ist einfach unvergleichlich.

 

 

AM HAKEN