Ein Bayer an der Küste

Wenn es um Döbel, Barben oder Karpfen geht, kennt sich unser Autor schon sehr gut aus. Beim feinen Fliegenfischen macht ihm auch kaum einer etwas vor, gerade in kleinen Gebirgsbächen. Aber nun geht es für ihn das erste Mal auf Meerforellen, an der Ostsee in Dänemark. Wind, Wetter und Wathosen – wie schlägt man sich da als Neuling? Ein Erfahrungsbericht.

 

Text: Alexander Bäuerle

Fotos: Morten Oeland


 

Ab und zu bin ich einfach ein skeptischer Mensch. Dann brechen auch in Sachen Angeln ein paar Vorurteile aus mir heraus. Das ist eher nichts für mich und wird sowieso nicht klappen, dachte ich mir. Mit Distanzwerfen in höheren Klassen habe ich mich nie beschäftigt und mit der ganzen Materie wurde ich noch nie konfrontiert. Das Ganze geht auch noch auf Englisch über die Bühne. Mir ist es ja auch schon zu blöd, auf unsere Seeforellen zu angeln. Viel Werfen, wenig Bisse. Was soll ich denn da!?

Das waren so die ersten Gedanken. Eine Einladung nach Dänemark hatte ich bekommen. Es ging darum, einen Fliegenfischerkurs auf Meerforelle zu testen. Geleitet von Morten Oeland, seines Zeichens Meerforellenspezialist und weitgereister Fliegenwerfer und -Binder. Wind und Wetter mit ein paar Profis, die wahrscheinlich schon Hunderte Meerforellen in ihrem Leben gefangen haben – sollte ich da wirklich hin?

Letztendlich hat meine Neugier gesiegt. Auch diese Herausforderung wollte ich unbedingt annehmen. Der erste Schritt war, mir sofort Gerät in der Klasse 7 zu besorgen. Die ersten Versuche waren ziemlich ernüchternd. Eine Trockenfliege mit der Klasse 3 oder 4 in nahe Distanzen zu platzieren, ist eine komplett andere Welt, als einen Streamer auf Weite zu bringen. Wie deprimierend, dass man eigentlich wieder bei Null anfängt.

Also habe ich geübt und bin ein paar Schritte weitergekommen. Dennoch war ich sehr skeptisch. Unmittelbar vor der Abreise hatte sich ein Sturm angekündigt und ich habe etwas gekränkelt. Meine Chancen auf den Fang habe ich gegen Null eingeschätzt. Trotz der ganzen Bedenken habe ich mich in den Zug gesetzt und bin in den Norden gereist. Die Ostsee kannte ich zumindest von der deutschen Seite her. Also in etwa wusste ich schon, worauf ich mich einlasse.

Nach der langen Zugreise komme ich trotzdem entspannt in Flensburg an. Danach geht es mit dem Bus zum Benniksgaard-Hotel. Ein wirklich schöne Anlage mit freundlichem Personal. Morten und Karsten empfangen mich. Sie leiten das Projekt, und schon bald lerne ich die weiteren Teilnehmer kennen, Elias und Molly aus Schweden sowie Hyppo aus Holland. Alles Journalisten, und im Gegensatz zu mir wirkliche Profis in Sachen Meerforellenangeln. Eine wirklich sehr nette und lustige Runde. Für mich war es sehr ungewohnt, in einer Anglerrunde zu sein, in der ich nicht zu den Fachleuten gehöre.

Morten strotzt nur so vor Fachwissen. Er erklärt uns mit Technik, Köderwahl und Fressverhalten bis zur Gewässerkunde das komplette Know-How der Meerforellenagelei. Nach einem vorzüglichen Menü mit mehreren Gängen ist Fliegenbinden angesagt, natürlich in Begleitung von einem guten Kaffee und einem noch besseren Whisky. Wir binden von Morten entwickelte Muster, unter anderem Imitationen von Garnelen und Grundeln. Unter Mortens fachkundiger Anleitung und mit den Tipps meiner Mitstreiter kann ich so meine ersten eigenen Fliegen erschaffen. Leider werde ich dieses schöne Hobby kaum weiter verfolgen können – Job, Familie und das Angeln an sich lassen mir kaum Zeit dafür.

Nun geht es ab ins Bett, denn am nächsten Morgen steht das Fischen an. Nach einem üppigen Frühstück mit Rührei, Speck und Würstel geht’s ans Wasser. Morten wählt die Spots anhand der Windbedingungen, sodass man in der Regel mit den Klassen 5 bis 7 auskommt. Sehr Clever! Ich wäre erst an eine Stelle gefahren und hätte mich dann über den Wind beschwert. Der bläst mehr als ordentlich, dazu scheint die Sonne. Die Meerforellen mögen das offenbar nicht, aber ich finde es klasse!

Am Strand erläutert Morten die richtige Auswahl der Fliege und der fängigen Stelle und demonstriert noch einmal das Werfen. Er gibt mir noch ein paar entscheidende Tipps zur Technik, und es passt plötzlich alles. Die Wurfweite ist da, und bald setzt der Flow ein. Ich steht bis zur Hüfte in der Ostsee und angle auf Meerforellen, eine richtig coole Angelei. Es geht weniger darum, Strecken zu machen, sondern eher darum, konzentriert fängige Bereiche abzufischen. Diese können durchaus im knietiefen Wasser liegen. In klaren Bereichen kann man durchaus die Meerforellen oder kleine Flundern, die vor den Watstiefeln flüchten, sehen.

Zunächst tut sich nichts, aber auf einmal bekommt Molly einen Fisch ans Band. Nach kurzem Drill wird die kleine Meerforelle gekeschert. Sehr motivierend, denn die Fische sind da! Bei Elias schwimmt sogar ein Exemplar direkt am Watschuh vorbei. Sie müssen einfach nur überlistet werden, aber das ist die große Kunst. Bald bekomme ich auch einen Biss, aber die Forelle bleibt nicht hängen. Später kommen sogar noch ein paar Schweinswale in Ufernähe. Die scheinen es ebenfalls auf die Meerforellen abgesehen zu haben, wahrscheinlich sind sie sogar erfolgreicher als wir. Wir beenden unseren Angeltag, nach Dinner und Bindestunde falle ich hundemüde ins Bett.

Meine ersten Eindrücke von Dänemark sind sehr positiv, die Menschen sind überaus freundlich. Die Landschaft ist natürlich ganz anders als bei uns in Bayern, total flach. Mir gefällt das aber auch sehr gut. Die Strände sind sehr schön zu bewaten und zu beangeln.

Über Nacht hat es gestürmt, so mancher konnte nicht schlafen. Ich habe es aber nicht bemerkt. Nach dem Frühstück geht es wieder los ans Wasser. Auf dem Weg dorthin fällt mir auf, dass der Sturm den einen oder anderen Baum gerupft hat. Der Wind pfeift immer noch wie hulle, und ich kann mir kaum vorstellen, dass wir irgendeinen Wurf zustande bekommen. Doch Morten bringt uns an einem Spot, wo wir tatsächlich Windschatten haben und werfen können.

Es geht weiter, und wir befördern unsere Streamer ins Meer. Hoppy bekommt auch einen richtig starken Fisch ans Band, der sich leider schnell verabschiedet. Wie am Vortag machen wir eine kurze Mittagspause mit megaleckeren Lunchpaketen, die auf jeden Fall eine Erwähnung wert sind. Danach greifen wir zum Finale noch einmal an. Die meiste Zeit fische ich mit einem Garnelenmuster, die nötige langsame Köderführung finde ich ganz ansprechend. Doch egal was und wie wir es präsentieren - es geht nichts mehr. Kein Biss, kein Zupfer, der ganze Strand ist tot. Der Meerespegel steigt im Laufe des Tages aufgrund des Sturmes um einem Meter. Das wird die Ursache gewesen sein.

Es hat auch heute wieder sehr viel Spaß gemacht, den Leopardengrund gezielt abzufischen. Manchmal geht einfach nichts. Erschöpft gebe ich auf. Nach einer herzlichen Verabschiedung verteilen wir uns wieder in Europa. Wir sehen uns aber wieder in Dänemark, die Chancen stehen bei nächsten Mal sicher besser. Man sieht sich am Strand, denn eine Rechnung ist noch offen.

Dänemark hat mir wirklich gefallen, das Schönste an dem Land ist, dass direkt dieses klassische Urlaubsgefühl aufkommt, wenn man die Grenze passiert hat. In drei Tagen habe ich das Wichtigste an Know-How der Meerforellenfischerei mit diversen Details kennen gelernt. Jetzt kann ich beim nächsten Mal einfach nach Dänemark fahren und selbstständig agieren.

Die Effektivität des Seminars war echt enorm, vor allem durch die individuelle Betreuung direkt am Wasser. Letztere hat mir sehr geholfen. Morten Oeland hat den Workshop immens aufgewertet. Ihr könnt mir glauben, ich habe als Angler und Autor wirklich sehr viele Guides und Profis kennen gelernt. Darunter auch Bauern, die nur zufällig die guten Plätze kennen oder Truthähne, die mir die ganze Zeit das Smartphone mit irgendwelchen Fängen vorblättern mussten…

Da sticht Morten definitiv hervor. Morten ist kein Entertainer, sondern eher bescheiden, kommt mit wenig Worten zum Punkt und glänzt mit Fachwissen. Er angelt selbst nicht mit, was sehr höflich ist. Er ist jederzeit sehr hilfsbereit, bemüht und geduldig, dazu ein vorzüglicher Fotograf. In seiner Angelei sehr kreativ, ideenreich und aufgeschlossen. Und, was ich wichtig finde, er ist kein Purist.

Zum Schluss möchte ich einen tollen Trick, den mir Morten gegeben hat, mit euch teilen. Manche kennen das schon, ich kannte es noch nicht. Und das, obwohl ich viel im New-Zealand-Style fische, was in etwa in die Richtung geht. Warum ich da nicht selbst drauf gekommen bin? Man verbindet zwei Streamer mit einer ca. 15 Zentimeter langen Schnur miteinander, indem man diese in den Hakenschenkel des ersten Streamers befestigt. Eine tolle Reizvariante. Das habe ich jetzt bei uns schon erfolgreich ausprobiert.

 

Infobox


 

Morten Oeland Fly Fishing

Maagevej 30

6600 Vejen

Denmark

E-mail: nicefly@mail.dk

Phone +45 51161519

 

Infos über die Region:

 

www.visitsonderjylland.dk


 


 


 


 

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