Faszination Plattfisch – Der Weg zu Scholle, Flunder & Co.

Text & Fotos: Christoph Böse

Viele Angler denken im Bezug auf die Ostsee und ein Angelabenteuer an einem der schönen Strände der Republik natürlich zuerst an Dorsch, Meerforelle oder die saisonalen Besucher wie Hering und Hornhecht. Dabei gibt es an der Küste auch noch einen sehr vielseitigen Fisch, der gerne etwas vernachlässigt wird, obwohl er auch auf so unterschiedliche und spannende Arten im gesamten Jahr beangelt werden kann – der Plattfisch. Zeit für ein kleines Loblied.

Sicherlich hat das dem Dorschangler auferlegte „Bag Limit“ den Schollen und Flundern
dieser Welt einen enormen Aufschwung in Sachen Ruhm und Begehrtheit gegeben und Plattfische liegen wieder voll im Trend. Neue Kunstköder- und Naturköder-Systeme und altbewährte Montagen bieten dem Angler viele Möglichkeiten, an die beliebten Speisefische zu gelangen. In den meisten Fällen müssen Sie sich zum gezielten Plattfischangeln noch nicht einmal neues Gerät zulegen, denn Spinnrute, Feeder- oder Karpfenrute sowie die entsprechenden Rollen reichen meist völlig aus, da man die Plattfische oft schon sehr nah am Ufer finden kann. Aber auch Seebrücken und Molen sind meist hervorragende Plätze, um ihnen nachzustellen. Beachtet man bei seinem Besuch an der See einige kleine Kniffe, so steht spannenden Tagen mit den Platten nichts mehr im Wege.

Es ist eigentlich wie bei jedem Zielfisch – die richtigen Spots entscheiden über Fangerfolg und Schneidertag. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass es bei unseren Plattfischen allerdings ein kleines bisschen einfacher ist. Zu 99,9 Prozent halten sich Scholle, Flunder und Co. auf dem Grund von weitläufigen Sandbänken auf, graben sich ein und warten gemütlich auf den nächsten Snack oder sie suchen neugierig den Grund nach Nahrung ab. Alles, was sich bewegt und auch nur entfernt nach einem leckeren Wattwurm oder einen kleinen Krebs aussieht, wird aufgeregt inspiziert oder direkt gekostet. Dieses Verhalten macht es uns natürlich relativ einfach, die Fische zu finden, zu reizen und schlussendlich auch zu fangen.

Wie für jeden anderen Zielfisch gibt es auch hier seit Jahren immer wieder neue Spielereien und Köder am Markt, die speziell darauf ausgelegt sind, dem Fisch eine nahrhafte Mahlzeit vorzugaukeln, wie etwa einen Wurm. In einigen Fällen funktionieren diese Ersatz-Köder auch ganz gut, denn beim aktiven Fischen oder dem Angeln mit einem Buttlöffel vom treibenden Boot geht es dem Fisch in erster Linie um den optischen Reiz. Da sich der Köder bewegt und scheinbar „flüchten“ will, hat der Plattfisch nicht viel Zeit, sich zum Biss zu entscheiden.

Anders ist es beim Ansitz in der Brandung, auf einer Mole oder einer Seebrücke, denn hier liefern wir dem Fisch seine Beute praktisch direkt vor seine Haustür. Der Köder spielt hier lediglich in der Strömung und kann vor dem Biss ausgiebig begutachtet werden. Vielleicht ist das einer der Hauptgründe dafür, dass Seeringel- und Wattwurm einfach die fängigsten und besten Köder sind und bleiben, denn warum sollte der Butt etwas anderes seinem absoluten Leibgericht vorziehen?

Im vergangenen Frühsommer haben wir eine Plattfisch-Tour mit unserem Kleinboot in der Hohwachter Bucht vor Weissenhaus unternommen. Das erste Mal hatten wir unsere neue WaterWolf-Kamera dabei und wollten nach dem Angeln einfach mal sehen, was am Grund des Meeres passiert, und natürlich hofften wir auch auf spannendes Material für unseren YouTube Kanal. Wir haben an diesem Tag überdurchschnittlich gut gefangen und hatten eine wunderbare Zeit auf dem Wasser, aber beim Sichten des Materials wurde diesem Tag wirklich die Krone aufgesetzt, und unsere Art, hier zu fischen, hat sich fortan maßgeblich verändert.

Der Buttlöffel soll ja an sich schon einen kleinen Plattfisch auf Beutezug imitieren und Futterneid unter seinen „Artgenossen“ auslösen, aber dass zum Teil zwei oder drei Schollen hinter einem Köder her sind und sich regelrecht um die Beute streiten, hatten wir einfach nicht erwartet. Am Grund tummelten sich zum Teil regelrechte Rudel von vier oder fünf Tieren, die nichts anderes im Kopf zu haben schienen als fressen. Neben dieser Erkenntnis haben wir allerdings auch feststellen müssen, dass es zum Teil trotzdem unglaublich lange dauern kann, bis ein Fisch den Köder wirklich voll nimmt. Es gibt sogar Szenen, in denen hat der Butt den Köder bereits voll inhaliert, es aber dennoch schafft, wieder loszulassen, nur um ihn wenige Sekunden später wieder zu schlucken.

Seither haben wir unser Verhalten mit dem Buttlöffel und die Wahl der Montagen modifiziert und ein wenig angepasst. Warum beim Biss nicht einfach mal den Rollenbügel umklappen und etwas Schnur geben, um dem Fisch mehr Zeit für den Biss zu gewähren? Warum nicht mal Doppelhaken-Montagen angeln? Warum nicht einfach mal mit größeren Haken selektiv auf kapitale Schollen fischen? Warum nicht einfach mal etwas anders machen, wenn es funktioniert? Denn es funktioniert!

Deshalb kann ich Ihnen nur raten: Ab an die Küste, denn hier gibt es doch das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Ich wünsche euch dabei viel Petri und eine gute Zeit am Wasser!

Ihr Christoph

 

 

5 Plattfisch-Tipps für Einsteiger

Sandbänke suchen und finden!
Wenn man auf der sicheren Seite sein möchte und nicht am Fisch vorbeiangeln will,
sollte man den Köder an den richtigen Stellen anbieten. Die absoluten Hotspots sind Sandbänke und ebene Untergründe mit wenig Struktur.

Nicht über das Ziel hinausschießen!
Oftmals wird versucht, den Köder so weit wie möglich auszuwerfen. Es kann allerdings passieren, dass sich die Plattfische extrem nah am Ufer aufhalten und man den Fisch einfach überworfen hat. Bleiben die Bisse aus, sollte man einfach mal eine Rute etwas kürzer stellen und schauen, ob man so zum Erfolg kommt.

Local expertise
Es geht wie an jedem anderen Gewässer auch an der Ostsee nichts über das Wissen der Lokalmatadore. Fragen Sie beim Köderkauf im Angelladen nach Tipps, wo Sie gute Chancen auf Fisch haben oder sprechen Sie andere Angler an. Meistens Können Sie so an den richtigen Strand bzw. Spot gelangen.

Der Faktor „Wetter“
Viele Angler sind der Meinung, man bräuchte auflandigen Wind und eine vernünftige  Brandung, um vom Ufer aus an den Fisch zu gelangen. Nach meinem Verständnis ist es für das Angeln auf Plattfische fast egal aus welcher Richtung der Wind kommt, oder ob überhaupt ein Lüftchen weht. Man kann bei jedem Wetter schöne Fangergebnisse erzielen, denn wichtiger als der Faktor „Wetter“ ist die Wahl des Ortes.

Spaß haben!
Auch wenn die Plattfische selten zickig sind und es auch für Einsteiger relativ einfach ist, gute Fänge zu erzielen, gibt es eben doch Tage, an denen es überhaupt nicht laufen will.
Das macht doch unser Hobby aus und sorgt für die geliebte Spannung, oder? Also, nicht verzagen und im Zweifel einfach einen schönen Tag am oder auf dem Meer genießen und den Fisch mal Fisch sein lassen.

 

Geräteempfehlung

Brandung
Brandungsrute: 3,90m – 4,20m, Wurfgewicht 100g – 200g, alternativ eine Heavy Feeder mit ähnlichen Daten.
Brandungsrolle: Salzwasserfest, Weitwurfspule, große Übersetzung
Schnur: 0.10 – 0.14 geflochtene Schnur oder 30er bis 35er Mono
Bleie: Torpedo- und Sechskantbleie ab 120g bis 180g, bei extremer Strömung Krallenbleie bis 150g
Köder: Wattwurm oder Seeringelwurm
Zusätzlich: stabiles Dreibein, Ködernadel und eine gute Auswahl an Montagen

Seebrücke/Mole
Ruten: Karpfen- oder Heavy Feederrute
Rolle: mittlere Stationärrolle, salzwasserfest
Schnur: 0.10 – 0.14 geflochtene Schnur oder 30er bis 35er Mono
Bleie: Sechskantbleie ab 80g bis 150g, Krallenbleie bis 120g bei starker Strömung
Köder: Wattwurm oder Seeringelwurm
Zusätzlich: Ködernadel, Rutenhalter (Mole) und eine gute Auswahl an Montagen

Boot/Kajak/Kutter
Rute: Pilkrute bis 100g oder Spinrute bis 80g WG
Rolle: ab 3000er
Schnur: 0.12er geflochtene Schnur
Blei: Buttlöffel 50g – 80g
Montage: Mundschnur bis 20cm Länge, Lockperle, Aberdeen Haken Gr. 1
Köder: Watt-, Seeringel- oder Tauwurm an der Buttlöffel-Montage

Ufer Spinntour
Rute: Spinnrute 30g - 50g Wurfgewicht, Länge bis 3,20m
Rolle: ab 3000er
Schnur: 0.10er bis 0.14er geflochtene Schnur
Blei: Buttlöffel 30g – 40g
Montage: Mundschnur bis 20cm Länge, Lockperle, Aberdeen Haken Gr. 1
Köder: Wattwurm oder Seeringelwurm an der Buttlöffel-Montage