Auf den Punkt serviert - Karpfenangeln mit Verstand und Präzision

Kaum hat die Saison begonnen, denke ich schon an die dicken Karpfen. Das Wichtigste ist jetzt, genau zu wissen, wo die Fische sind und dann auch dort den Köder zu präsentieren. Flache Buchten und Gewässer sind spitze, das dürfte bekannt sein, doch Schilfgürtel und große Totholzansammlungen im Wasser sind jetzt die Stellen, die man sich ganz genau ansehen sollte.

Wenn die Sonne bei wenig Wind aufs Wasser knallt, funktionieren die Schilfhalme oder Äste wie eine Heizung und transportieren Sonnenwärme ins Wasser. Die Karpfen wissen das und stehen zwischen bzw. unter den Halmen, Ästen und Schilfinseln. Der Trick besteht darin, wirklich zentimetergenau ans Schilf bzw. in die Lücken zu werfen. Ein Meter Abstand kann schon viel zu viel sein, wenn die Fische wie jetzt noch sehr inaktiv sind und eigentlich nicht so recht auf Nahrungssuche.

Doch wie soll man so nah an Hindernissen fischen und die Fische auch noch landen?

Ich bediene mich hier des Einclippens, um wirklich punktgenau ran zu kommen. „Einclippen“ funktioniert über den Schnurclip der Rolle, deshalb ist Voraussetzung Nummer eins, dass der die Schnur nicht beschädigt, notfalls muss man ihn modifizieren. Inzwischen gibt es geniale Rollen von MAP und Wychwood mit dem „ACS“ Lineclip. Bei diesem kann man die Schnur auch eingeclippt lassen, und ein Fisch kann trotzdem Schnur über die Bremse nehmen. Bei allen anderen Rollen ganz wichtig: immer ausclippen, bevor die Rute abgelegt wird!

Am Anfang taste ich mich ohne Vorfach nur mit Blei an die Wurfdistanz heran, bis ich genau da bin, wo ich hin will. Dann kurble ich auf Kontakt und clippe die Schnur ein. Nach dem Einholen messe ich mir diese Distanz am Ufer ab, ideal hierzu sind sogenannte Distance- oder Yard-Sticks, etwa von Avid Carp. Wichtig ist, dass man immer wieder reproduzierbar die gleiche Distanz einclippen kann, ohne vorher wieder die Wurfdistanz austesten zu müssen.

Dann werfe ich mit Vorfach und Köder und allem drum und dran aus, dabei die Rute leicht nach hinten halten. Sobald die Schnur am Clip ankommt, federt das den Wurf etwas ab und der Köder liegt perfekt am Spot. Schnur ausclippen und Rute ablegen.

Nach einem Fisch oder zum erneuten Auswerfen messe ich mir wieder genau meine Distanz an den Yard Sticks ab, clippe die Schnur und bin bereit für den nächsten Wurf. Wer schlaue Vorarbeit leisten will, notiert sich die Distanzen in einer Gewässerkarte oder misst schon mal grob auf Google Earth vor. Vor allem nachts ist diese umständlich klingende Übung aus Abmessen und einclippen eine Offenbarung. Punktgenaue Präsentation eben.

Doch nicht nur der Spot, auch der Köder muss passen. Die Karpfen haben zwar Appetit, aber noch keinen ausgemachten Kohldampf, also setze ich auf wenig Futter, aber maximale Lockwirkung, und das möglichst zielgenau. Da mir ein Boilie noch zu wenig arbeitet und zu wenig Lockstoff abgibt, nehme ich absichtlich Miniboilies, ummantele diese aber dick mit Paste. Die Paste löst sich im Wasser auf und setzt dadurch vielmehr Attraktion frei, als es der Boilie solo könnte.

Außerdem bin ich der festen Überzeugung dass weiche Köder für die Fische interessanter sind. Man kann sehr gut selbst geknetete Pasten aus Pellets, Käse oder derlei mehr nehmen, mein Favorit ist die fertige von Stickybaits, vor allem Krill und Manila sind echte Renner. Gerne knete ich auch noch zusätzlich etwas Paste ums Blei oder in die Ritzen eines Teigbleis.

Um auch noch etwas loses Futter zu bieten, fädle ich zusätzlich noch einen PVA Stick oder kleinen Mesh Bag aufs Vorfach. Den fülle ich mit zerriebenen Boilies, Grundfutter das mit Flüssiglockmitteln wie z.B. AngelHaack Bait Booster Liver Liquid angefeuchtet wurde. Wichtig ist natürlich, hier auf Wasser zu verzichten, da sich sonst das PVA-Netz auflöst, bevor es am Spot landet.

Das klingt nach sehr viel Aufwand, bis die erste Rute endlich bereit am Platz liegt, aber der lohnt sich. Doch ein gehakter Fisch ist noch lange kein gelandeter Fisch. Man sollte vor Hindernissen sehr stark angeln und Gerät verwenden, dem man vertrauen kann. Meine AngelHaack Carp Rods in 3 lbs sind für mich hier genau richtig. Stark genug, um Paroli zu bieten, weich genug, um ordentlich Federkraft zu erzeugen und nicht zu hart für intensiven Nahkampf. Eine 0,35er Monoschnur mit möglichst wenig Dehnung ist genauso Pflicht wie zuverlässige Rollen mit guter Bremse.

Diese bleibt allerdings geschlossen. Nach dem Ablegen der Rute öffne ich weder einen Freilauf noch lockere die Bremse, das ist sehr wichtig, da der Fisch dann erst gar keinen Anlauf nehmen kann. Er läuft direkt gegen die Schnur, die ihn wie ein Gummiband zurückzieht. Genauso wichtig ist es dabei allerdings, direkt neben den Ruten zu sitzen und sofort zuzugreifen, wenn der Biss kommt. Beim Biss geht nur der Swinger nach oben, und man muss schnell sein, weil der Fisch keine Schnur abziehen kann. „Hook and hold“ heißt es wohl im Fachjargon.

Erst wenn ich den Fisch vom Schilf weg gedreht habe, darf er auch mal Schnur nehmen. Vorher heißt es dagegenhalten auf Biegen und Brechen, da muss das Gerät aber angepasst und gut aufeinander abgestimmt sein, dann geht das problemlos.

Es ist mit Sicherheit mehr Aufwand, Vorarbeit, Aufmerksamkeit und Überlegung nötig, auf diese Art zu fischen als einfach zwei Montagen mit einer Kelle Futter ins Blaue zu befördern. Es ist aber mit absoluter Sicherheit auch ungleich erfolgreicher und aufregender. Und mit dem richtigen Tackle kein Hexenwerk.

Axel Reingruber

Einkaufsliste bei www.angelhaack.de:

 

  • Stickybaits Krill und Manilla Paste

  • AngelHAACK Bait Range Betaine Green Special Method Mix

  • AngelHAACK Bait Range Pure Bait Booster Liver

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  • Avid Card Screw Point Yard Sticks

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