Kurze Tour, großer Spaß

Text & Fotos: Jens Scholz

 

Ein paar freie Tage stehen vor der Tür, aber für einen großen Familienurlaub reicht es nicht? Das hält unseren Autoren Jens Scholz nicht davon ab, sich mit Frau und Tochter ein paar schöne Tage am Wasser zu machen und das Angeln dabei auch nicht zu vergessen. Ein Kurztrip zwischen Boilies, Luftmatratze und Lotti Karotti.

 

 

Völlig erschöpft sitze ich im Auto und habe leichte Kopfschmerzen. Ein harter Arbeitstag liegt hinter mir, und ich habe sicher wieder viel zu wenig getrunken bei dieser Hitze. Der hochverdiente und Familienurlaub im sonnigen Süden liegt schon wieder viel zu lange zurück. Trotz der Umstände kann ich mir mein Grinsen nicht verkneifen. Der Grund: Ich habe nochmal eine Woche Urlaub! Diesmal muss es allerdings eine günstigere Version sein…

Natürlich hatte ich da schon seit längerem einen Plan, den ich meiner Familie ganz vorsichtig schmackhaft gemacht habe. Mein Vorhaben war: Tag 1 – Zoobesuch, Tag 2 – Kletterpark und McDonalds, Tag 3 – gemütlicher Tag zu Hause / Verschnaufpause, Tag 4 – Campingausrüstung packen / Eis essen fahren / Grillen mit der Familie, Tag 5 – Ab an den See! Da wären noch drei Tage mit der Familie am Wasser übrig. Geplant sind: Picknick, Boot fahren, Lagerfeuer, Nachtwanderung und natürlich baden. Mit etwas Glück kann meine Tochter vielleicht auch schon schwimmen lernen.

Oberste Priorität am Wasser hat dabei der Spaß für Frau und Kind. Denn ihnen soll es gut gefallen, damit sie auch in Zukunft wieder zu solchen Projekten zu überreden sind. Also: Erst einige Male qualitativ hochwertig anfüttern und dann die Ernte einfahren – wie beim Angeln. Aus diesem Grund wird ein solches Projekt auch auf den Sommer verlegt. Nichts ist abstoßender, als den ganzen Tag zu frieren oder sich bei Regen im Zelt zu langweilen. Das Vorhaben wurde dankend angenommen und nach ein paar schönen Tage im Kreis der Familie war es schließlich soweit, es konnte losgehen.

Tag 5: Das Auto war gepackt und startklar. Wir schliefen gemütlich aus und frühstückten noch zu Hause. Die Autofahrt zum See ging schnell, und so konnte ich gegen halb elf schon das Schlauchboot und die Luftmatratze aufpusten. Sofia und ihre Mama konnten es kaum abwarten und standen schon in den Bikinis bereit zum Badevergnügen. Ich als Bademeister dufte vom Boot aus alles beobachten und filmen. Nach einer Stunde Vollgas gab es dann ein paar Wiener. Die Karpfenliege diente einer herrlich angenehmen Pause und dem Mittagsschlaf, bevor am Nachmittag nochmal das Vergnügen im Vordergrund stand. Eine Bootstour und ein Spaziergang waren fällig, bevor ich den Grill anwarf und leckere Bratwürste serviere.

Mein Plan sollte bis dahin aufgehen, Petrus hatte uns auch vernünftiges Wetter beschert. Das ist der Vorteil der Sommerzeit, doch beeinflussen kann man diesen Faktor nicht. Was ich jedoch beeinflussen konnte, war das Fische fangen. Denn das stand ja auch auf meiner To-Do-Liste. Während ich tagsüber komplett darauf verzichtete, sollte dieses Unterfangen in der Nacht realisiert werden, während die Familie eh schläft. Somit sollte es auch nicht stören.

Da die Nacht sowieso die bessere Beißzeit an unserem Baggersee ist, hatte ich auch keine großen Probleme bei der Vorbereitung. Ich bin einfach die letzten drei Tage vor unserem Ausflug (wenn die Tochter zu Bett gegangen war) zum Füttern an den See gefahren. Diese Zeit hat einige Vorteile, denn ich werde zu Hause nicht vermisst und am See gibt es nicht so viele neugierige Augen. Damit meine ich nicht nur Angler, die sich gern in gemachte Nester setzen, sondern auch das liebe Federvieh, welches sich den ganzen Tag an unseren Ködern bedient. Ich möchte nicht wissen, wie oft ich schon das teuerste Futter ausschließlich an Vögel geopfert habe.

Das bringt mich zum nächsten wichtigen Punkt. Das Futter ist bei mir immer sehr hochwertig. Ich möchte nicht meine wenige Zeit durch mittelklassiges Futter vergeuden. An manchen Tagen mag zwar alles funktionieren, aber ich gehe da niemals ein Risiko ein. Nichts ist schlimmer, als nach einigen Tagen Vorbereitung eine Pleite zu kassieren. Es kostet ja nicht nur alles Zeit, sondern auch Geld für Köder und Benzin. Auch wenn es dann mal doch nicht klappen sollte, dann kann ich mir zumindest gewiss sein, dass es nicht am Futter lag.

Ich verwende bei meiner Angelei am liebsten Boilies. Um die Fische schnell auf das Futter aufmerksam zu machen, übergieße ich die Köder zuerst mit einem hochattraktiven Liquid. Es ist sehr fischig im Geruch und hat ein tolles Aminosäureprofil. Wenn ich die Köder damit übergossen habe, dann schüttele ich das Gefäß gut durch. Sind die Köder rundherum benetzt, dann mache ich noch einmal das gleiche mit meinem Boiliemix. Einfach drüber streuen und gut schütteln. Auf den feuchten Boilies haben sich nun die Mehlpartikel angeklebt. Lässt man es trocknen, ist es eine Art Kruste. Bei Bedarf kann das gerne noch zwei Mal wiederholt werden. Fliegen die Köder ins Wasser löst sich die Kruste innerhalb kurzer Zeit ab und bildet eine extrem attraktive Wolke. Da dauert es nicht lange, bis die Karpfen und Schleien unser Futter gefunden haben.

Soviel zur Vorbereitung. Meine erste Nacht fischte ich dann auf dem vorgefütterten Platz mit einem PVA Stick. Mein Plan ging trotz Lärm und Badespaß am Tag auf. Den Fischen hat es offensichtlich gar nichts ausgemacht, und ich konnte in wenigen Stunden drei Fische fangen, zwei Karpfen und eine Schleie. Damit sollte es gut sein, und ich brachte meine Ruten nicht noch einmal aus. Dafür fütterte ich aber nochmal eine ordentliche Portion nach. Meine Belohnung war dann auch noch ein wenig Tiefschlaf. Am nächsten Morgen wollte gar keiner glauben, dass ich etwas gefangen hatte. Beide haben an der frischen Luft so fest geschlafen, dass die Bissanzeiger völlig überhört wurden.

Gut geschlafen und gut gelaunt hatten wir wieder eine Menge Spaß. Wir vertrieben uns die Zeit mit „Lotti Karotti“ spielen. Am Nachmittag stand auch eine Stunde Kinderangeln auf dem Programm. Ich hatte am Morgen ein Kilogramm von meinem Stickmix an der Schilfkante verteilt, und nun versuchten wir es mit Feedern. Ich bin zwar selbst nicht der begabteste auf diesem Gebiet, aber für eine Schleie und eine Rotfeder reichte es am Ende. Sofia war sehr glücklich, auch wenn sie erstmal das Anfassen der Fische als etwas eklig empfand. Es stellte sich aber später heraus, dass nicht alle Fische so schleimig wie eine Tinca sind.

Bei der abendlichen Nachtwanderung sammelten wir schließlich ein paar Hölzer, die wir dann auf den noch brennenden Rost gelegt wurden. So gab es zum Abschluss noch ein kleines Feuerchen, bevor ich wieder angeln konnte. Sofia schlief zufrieden ein, und Christin leistete mir bei einem Glas Wein noch Gesellschaft. Leider blieben diesmal die Bissanzeiger stumm, und meine Frau erkannte, dass ich darüber nicht wirklich erfreut war. Ich hatte mir ja auch große Mühe gegeben und viel Zeit investiert. Dann sagte sie, dass ich die Ruten ruhig im Wasser lassen soll. Wenn nichts beißt, dann stört es ja auch niemand. Ich war glücklich und konnte mich zufrieden hinlegen. Tatsächlich kam kein Biss mehr. Erst als wir zum Frühstück beisammen saßen und ich gerade Toastbrot röstete, pfiff eine Rute ab. Wer hätte es gedacht, Sofia war hellauf gegeistert und wollte an jeder Ecke helfen. Sogar auf dem Erinnerungsfoto wollte sie verewigt sein. Während Sofia wirklich gut gefiel, das nicht jeder Fisch auf dem Teller landen muss, zeigte Christin ihre Qualitäten als hervorragende Fotografin.

Für mich ging damit ein ganz tolles Wochenende mit der Familie zu Ende und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir gefallen hat. Nun hoffe ich darauf, dass meine Tochter mich bald fragt: „Papa, wann können wir wieder angeln fahren?“ Dann habe ich alles richtig gemacht, und auch meine Frau hat kaum noch eine andere Wahl, als „Ja“ zu sagen…

AM HAKEN