Förster, bleib bei deinen Bäumen!

Stoltenbergs Bemerkungen

Dem Peter Wohlleben habe ich es zu verdanken, dass ich, sobald ich einer zitternden Espe oder ihren Artgenossen gewahr werde, ständig in Versuchung gerate, diese innig zu umarmen. (Kein Waldspaziergang ohne Notration, kann ewig dauern!) Aber eigentlich können das auch die Waldliebhaber unter den Esoterikern getrost lassen, denn seit dem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ wissen wir ja, dass sich alle Bäume untereinander lieb haben. Das ist gut so, denn meine Lieblingsfrau, fast schon meine wohlgefälligen Blicke hinter attraktiven Geschlechtsgenossinnen her tolerierend, meinte, ich solle sie gefälligst häufiger umarmen als den nächstbesten Borkenträger.

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Bäume umarmen macht gesund und entspannt, allerdings bewirkt eine eifersüchtige Ehefrau mehr als nur das Gegenteil. Also Bäume umarmen ist bei mir definitiv nicht mehr angesagt, da bin ich dem Peter Wohlleben für mein Wohlleben sehr dankbar.

Nun wurde diese Harmonie durch einen Artikel in ZEIT-Online (Quellen am Ende des Textes) wieder erheblich in Gefahr gebracht. Unter dem Titel „Das Glück des Hechtes“ stellt Peter Wohlleben sich und uns die Frage, ob sich Fische auch verlieben können. Okay, ich selbst hatte und plane noch ein paar ganz heiße Affären (Mit Fischen!!! Meine Frau könnte den Artikel in die Hände bekommen), aber wie so oft bin ich mir nicht ganz sicher, ob das wirklich auf echte Gegenliebe stößt. (Keine Angelsession ohne Notration, kann ewig dauern!)

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Lustig ist ja noch der Abschnitt über die Kommunikation der Fische, seiner Meinung nach bei Heringen durch Fürze, „die in der Tonhöhe variiert werden können“. Als wenn letzteres was Besonderes wäre – die Nationalhymne könnte man wegen der WM mal üben.

Neben weiteren Geschmacklosigkeiten über Wildschweine versteigt er sich dann zur Behauptung: „Dass Fische Schmerz empfinden, ist unbestritten.“ Wie in seinem Buch verlässt er den Boden den Wissenschaft, spekuliert, fabuliert und spielt bewusst mit Emotionen, ohne sich ernsthaft mit pro und kontra auseinander zu setzen. Zum Thema Schmerzen hat sich Prof. Arlinghaus bereits mehrfach kritisch geäußert, da ich das eh‘ nur wenig besser könnte, sind die Quellen unten angegeben.

Nun zum Kern der Sache, die er mit der Frage, ob Fischstäbchen mal Gefühle hatten (ha, ha, ha), heiter anzugehen versucht. Fehlte nur die Frage, ob sie genetisch eher mit Pommes Frites oder Wiener Schnitzel verwandt sind. Bei Fish&Chips könnte ich mir das vorstellen. Also, man hat Oxytocin bei Fischen nachgewiesen. Ich habe erst mal gedacht, das ist ein Bait-Booster. Lassen wir Fachleute sprechen: „Kuschelhormon ist zwar nicht falsch, greift aber doch zu kurz", sagt Professor Markus Heinrichs von der Universität Freiburg. Professorin Inga Neumann, Neurobiologin an der Universität Regensburg, fand zum Beispiel heraus, dass Oxytocin bei Mäusen traumatische soziale Erfahrungen auslöschen kann. Vielleicht sollte man es den Fischen deshalb vor dem Releasen verabreichen? Dosis je nach Gemütszustand, auch für den neidischen Angelnachbarn.

Was dieses Hormon bei den unterschiedlichsten Spezies tatsächlich bewirkt, ist noch gar nicht abschließend erforscht. Daraus gleich zu schließen, dass Fische sich verlieben, ist schlichtweg Quatsch! Wohlleben vermenschlicht unverdrossen und wider besseren Wissens einfach Bäume und Fische und spricht ihnen ein Bewusstsein zu. Und damit liegt er so weit daneben wie ich oft bei meinen Fangprognosen, die auch nichts mit der Realität zu tun haben.

Halten wir fest, bis heute gibt es keinen Nachweis eines Bewusstseins bei Bäumen und Fischen. Damit können sie auf äußere Reize und körpereigene physiologische und biochemische Vorgänge nur instinktiv und reflexartig reagieren. Sie können keine Schmerzen „empfinden“, sich keiner anderen negativen (Angst) oder positiven (Liebe) Gefühle erfreuen...sorry, geht nicht!

Meine schwierigste Aufgabe ist allerdings, das meiner Frau klar zu machen. In erregten Augenblicken mein sie nämlich, ich liebe Fische mehr als sie. Sind die Fische jetzt glücklich? Peter Wohlleben, der Schwerenöter, glaubt das.

Quellen

Das Glück des Hechtes

Schmerzen

Offener Brief

Empfinden Fische Schmerzen