Die Barben und der Käse

 

Von Christian Kaspers

Wenn´s das erste Mal so richtig knackig warm wird, verspüre ich große Sehnsucht nach einer Karpfensession ganz im Stile eines „Fish ´n BBQ"-Ansitzes. Oder aber ich habe so richtig Bock auf einen ersten Barbenversuch vor dem Laichspiel dieser Gesellen mit der Heavy-Feeder-Rute. Es kribbelt jedenfalls gewaltig in meinen Fingerspitzen, den Barben nachzustellen.

Domenic alias „der Barbenkniller“ hat in der Woche vor meinem Angeltrip mit einer 80 Zentimeter langen Niederrheinbarbe einen echten Kapitalen landen können. Unfassbar, was für Barben selbst im Weseler Raum am unteren Niederrhein unterwegs sind. Dabei endet laut Untersuchungen des Fischereibiologen Jost Borcherding die Barbenregion am Düsseldorfer Rhein. Hierzu wurde die Beschaffenheit des Sediments sowie die Rheinstruktur untersucht. Ab Düsseldorf handelt es sich flussab also um die sehr fischreiche Brassenregion.

Knillers Käse-Klassiker

Auf welchen Köder biss Domenics brachiale Barbe? Etwa auf Maden? Nein.
Domenic fischt seit geraumer Zeit regelmäßig mit Käse und fängt mit diesem fettig-würzigen Häppchen nicht nur brachiale Barben, sondern auch kapitale Alande. Bei der Nachfrage, welchen Käse er mir im Besonderen empfehlen kann, kristallisierte sich der handelsübliche mittelalte Gouda am Stück als Domes Nummer Eins heraus.

Auch ich Madenfanatiker wollte diesem Köder nun einmal Vertrauen schenken und schwor mir, beim ersten Barbenansitz des Jahres eine Rute durchweg mit einem Käsewürfelchen zu bestücken. Manchmal ist es extrem schwierig, einem neuen Köder zu vertrauen und ihm eine echte Chance zu geben. Vor allem, wenn der bekannte, fängige Köder mit am Mann ist, ist die Versuchung stets groß, die zweite Rute doch wieder auf den bewährten Köder umzurüsten.
Für meinen ersten Barbenansitz 2018 bei hammerharten 29°C entschied ich mich für einen Rheinabschnitt im Süden NRWs am Übergang vom Nieder- zum Mittelrhein in der Barbenregion. Ich besuchte einen Rheinspot bei Bonn, an welchem ich bereits im vergangenen Jahr nach dem Deutschen Fischereitag im Maritim-Hotel innerhalb einer Stunde zwei kleine Barben von etwa 25 Zentimetern Länge fangen konnte.

Mit einem Futtermix aus Sonubaits Hemp & Hali Crush und Cheesy Garlic Crush sowie kleinen Pellets und einem Liter Maden sollte es losgehen. Eine „Madenrute“, eine pinke Gummimade und drei echte Maden, und eine „Käserute“ mit einem etwa 1,5 x 1,5 Zentimeter großen Käsewürfel - am Haar angeboten -, kamen von Beginn an zum Einsatz.

Ich pfefferte die Montagen mit einem gefüllten 150-Gramm-Futterkorb im 45°-Winkel flussauf in den Hauptstrom und ließ damit das Spiel beginnen. Wichtig ist hierbei, einerseits das Futter nicht allzu trocken anzumischen, andererseits ist es essentiell, es sehr fest in den Korb zu pressen, damit das Futter am schnellen Rheinstrom nicht bereits in der Absinkphase aus dem Futterkorb getrieben wird.
 

Bereits nach einer halben Stunde bekam ich auf der Madenrute den ersten Biss und durfte darauf eine kleine Barbe bis kurz vor den Kescher drillen. Der Einsömmrige des heutigen Zielfischs enthakte sich augenscheinlich auch ohne die Hilfestellung meines Hakenlösers. Nun denn. Der Anfang war gemacht und die Barben schienen am Platz sein. Das war Motivation pur, um weiterzumachen.
Eine weitere halbe Stunde später war es dann auch schon soweit. Premiere für mich – mein erster brachialer Biss auf die Käserute!
 

Schnell spürte ich barbentypische Kopfschläge in der Rute und wurde zeitgleich aufgeregt, nervös und euphorisiert. Auf Käse scheinen wohl auch die „besseren“ Barben zu beißen. Nach drei kleinen Barben hatte ich nun vermutlich Kaliber „60-Zentimeter-Plus“ am Band. Und tatsächlich: nach zwei, drei spritzigen Fluchten im Uferbereich durfte ich die wundervolle Barbe auch einnetzen. Genial. Da ist sie, die Käse-Barbe! Was für eine hammergeile Färbung dieser Fisch hat.

Durch das etwas dunklere Sediment an diesem Rheinabschnitt fallen die Farben dunkler und messingfarbener aus als beispielsweise an der Ijssel, wo die Barben farbtechnisch ins Silbrige gehen.
Der 6er Drennan Specimen Plus Haken am 120 Zentimeter langen 0,40er starken Fluorovorfach hing sicher in der Oberlippe der Barbe. Optimal. Ich habe mein Zanderfluoro zum Hakenbinden genommen. Ich wollte zum Testen dieser Angelei nicht gleich wieder neues Material einkaufen. Warum auch?! Vielleicht werde ich mir zukünftig zum Hakenbinden 0,25er-0,30er Fluoro anschaffen, damit lassen sich dann auch kleinere Hakenmodelle besser binden. Das Käsehäppchen wird mich nämlich ab dem heutigen Tag häufiger ans Wasser begleiten, so viel steht fest.

Wann laicht wer – die Temperatur im Fokus behalten

In der Dämmerung bekam ich beim Einpacken einen weiteren Barbenbiss auf meine Madenrute. Leider stieg dieser Fisch im Drill aus. Mit drei Barbenkontakten in fünf Angelstunden war es für mich durchaus ein erfolgreicher Angeltag. Auch fing ich einen ganz besonderen Ausnahmefisch am Rhein, eine kleine Meerforelle.

Zu sehen, dass sich die Salmoniden zunehmend im Rhein wohlfühlen und wieder ansiedeln, ist eine grandiose Sache und vor allem der Verdienst von Wiederansiedlungsprogrammen diverser Fischereiverbände.

Die Wassertemperatur des Rheins lag an diesem Tag zwischen 15 und 16°C. Ich hatte also noch einmal Glück, dass die Barben aktiv fraßen. Vier Tage später versuchte ich es erneut am selben Spot mit den gleichen Ködern. Ich bekam keinen einzigen Barbenbiss an jenem Tag. Ich fischte statt fünf Stunden sogar fast einen halben Tag – zehn Stunden – mit vollem Elan. Nichts.
 

Das Rheinwasser hatte mittlerweile eine Temperatur von 17,5°C erreicht. Macht ja nichts, warm ist immer gut, dachte ich mir. Sauerstoffmangel aufgrund von warmem Wasser gibt´s im sich stetig umwälzenden Rheinwasser ja eher auch nicht. Doch ist wirklich alles optimal?

Als nach sechs Angelstunden immer noch keine Spur einer einzigen Barbe zu sehen war, habe ich allmählich an meinen anglerischen Qualitäten gezweifelte und zog einen guten Freund zu Rate.
Mein Kumpel Tim Janssen, der in den Niederlanden als Barbenspezi bekannt ist, teilte mir mit, dass er aktuell aufgrund der hohen Wassertemperatur genau nicht auf Barben, sondern viel lieber auf Schleien (Schleien laichen mehrmals im Jahr ab etwa 18°C Wassertemperatur) loszieht. Die Barben seien ab einer Wassertemperatur von 16°C damit beschäftigt, sich zu sammeln und in Laichgebiete zu ziehen. Man würde also derzeit, wenn im Frühjahr die Wassertemperatur erstmals die 16°C-Marke übersteigt, nur in Ausnahmefällen eine Barbe erwischen. Gute Stückzahlen würde man nur in der Nähe der Laichgebiete fangen können. Dies liegt jedoch gar nicht in meinem Interesse. Wenn die Jungs und Mädels allmählich ihren Paarungsritualen nachgehen, dann will ich diese nicht stören.

Ohje. War all die Mühe umsonst? Ich wollte es wirklich wissen und fischte tatsächlich noch bis zur Dämmerung durch. Doch auch in den Folgestunden bekam ich keinen einzigen Biss.

Hat Tim etwa Recht? Ich jedenfalls werde die Wassertemperaturen im nächsten Frühjahr genauestens beobachten und danach abwägen, ob ein Ansitz auf den jeweiligen Zielfisch Erfolg versprechend erscheint oder nicht. Derjenige, der weiß, wann welche Fischart bei welchen Wassertemperaturen laicht, ist im Vorteil. Das Orientieren an starren im Landesfischereigesetz verankerten Schonzeiten reicht hier nicht aus. In NRW beginnt die Barbenschonzeit beispielsweise erst am 15. Mai. Wie dieses Beispiel zeigt, beginnt je nach Witterung das Laichgeschäft bereits Ende April.
Die Devise lautete: Augen offen halten. Man lernt nie aus!

Beste Grüße!

Christian