Lieblingsteil: die Garbolino Ariane

Wer seine anglerische Entwicklung in den achtziger Jahren durchlebt hat, für den war Wolf-Rüdiger Kremkus ein anglerischer Held. Zweifacher Einzel-Weltmeister im Wettkampfangeln 1980 und 1983, in einer Zeit, als echte Angler „Stippen“ gingen, auf Plattformen im Wasser saßen, lange Wettkampfkescher mit Fisch füllten und Raubfischangelei eher was für Opas war. Ich sage nur: „Eine Zigarettenlänge abwarten bis zum Anschlag“.

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In dieser Zeit lernten Jungangler erst einmal mit der Stipprute ohne Rolle zu angeln. Eine acht Meter lange Glasfaser-Stippe wog damals 1090 Gramm, hing auf ihrer gesamten Länge sicherlich einen Meter durch und war nur von ausgebildeten Bodybuildern anzuheben. Gute Kohlefaserruten waren nur halb so schwer bei gleicher Länge. Kohlefaser war das neue Zaubermaterial und Ruten in nie dagewesenen Längen wurden möglich. Und nichts sehnlicher wünschte ich mir als Schüler, als die Rute zu besitzen, mit der Wolf-Rüdiger 1983 Weltmeister wurde: die Ariane.

Hersteller war die französische Firma Garbolino, in Deutschland wurde die Rute von DAM vertrieben, in England unter dem Namen Proton von Sunridge. Eine Stipprute, in der Grundausführung 9,5 Meter lang und 590 Gramm schwer. Ultra-rigide, etwa 34 Zentimeter Durchhang, kaum nennenswert. Mit Steckteilen auf elf Meter und sogar auf zwölf Meter zu verlängern. Der Rutenblank dunkelblau und hellblau schimmernd in der Sonne, das Griffteil rot abgesetzt und die Schriftzüge goldfarben. Die ganze Rute ist mit einem deutlich spürbaren und sichtbaren Carbonband umwickelt, das sie vor Druckbelastung schützt und auch beim Abstecken die Griffigkeit erhöht.

Hätte es diese Rute als Star-Schnitt in der Bravo gegeben, ich hätte Sie als Bild in meinem Zimmer gehabt. So blieb mir nur, davon zu träumen. Das Weltmeistermodell war unerschwinglich, knappe 3000 D-Mark rief DAM damals für diese Rute auf. Doch 1986 kam eine günstigere Version auf den Markt. Für etwa 700 Mark bot sie optisch das gleiche Erscheinungsbild wie das „ultra-rigide“ Topmodell, war aber mit 730 Gramm deutlich schwerer und hatte auch nicht ganz so viel Rückgrat.

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Egal, der Traum von der Meisterrute wurde realistischer. Ich kratzte alles Geld zusammen, das ich als 16-Jähriger hatte, wünschte mir den Restbetrag für ein gutes Zeugnis der mittleren Reife, und im Sommer 1986 war es dann soweit. Die Ariane und ich gingen ans Wasser, gemeinsam fischten wir ein paar Tage nach einem Wettkampfangeln an meinem Heimatfluss. Wir fingen Fisch auf Fisch, vor allem Rotaugen. Welche Kontrolle, welche Leichtigkeit, welche Präzision! Ein Angelerlebnis der anderen Art.

Und wir waren erfolgreich. Wir wurden zusammen Stadtmeister, Zweiter der Vereinsmeisterschaft, Sieger beim Forellenfischen, fischten erfolgreich in der Mannschaft beim Verbandsangeln und fingen viele schöne Fische. Karpfen fingen wir nie, wenn die mal bissen, war meist die 12er Hauptschnur durch, Gummizüge waren damals noch nicht so verbreitet. Aber tolle Brassen, gefühlt Millionen von Rotaugen, Gründlingen und Ukelei. Und ab und zu auch mal eine Äsche oder Forelle.

Heute gibt es die 3000-D-Mark-Rute bei Ebay ab und zu für Preise zwischen 150 und 200 Euro. Sie ist immer noch eine bildschöne Rute mit Charakter und Rückgrat. Eine Stipprute, die auch mal einen Stoß abkann. Und mit Geschichte, mit viel Geschichte.

Marcel Winkens

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