Lieblingsteil: Der Angelkasten

Text & Fotos: Dirk Brichzi

Wenn mich jemand fragt, warum ich angeln gehe, sage ich: Weil ich mich dann ein wenig fühle, als wäre ich wieder zehn Jahre alt und würde am Rheinhafen in Duisburg-Walsum sitzen, wo vor vielen Jahren alles begann. Das mag sich romantisch und nostalgisch anhören, aber es stimmt. Diese Neugier auf diese Welt unter Wasser, diese unglaubliche Spannung, wenn die Pose mal zuckte und die Freue über jeden Ukelei, den mein Freund Olaf und ich aus dem Wasser zogen, dieses Gefühl will ich in die heutige Zeit hinüberretten, auch wenn sich Montagen, Gerät und Fische komplett geändert haben.

Obwohl, Moment! Ein Utensil schleppe ich seit genau dieser Zeit mit mir durch die Gegend: meinen kleinen Angelkasten. Rot-Schwarz, zwei Fächer oben, ein großes Fach unten, war wohl einfach ein Werkzeugkasten. Ich kann mich nicht erinnern, wann genau ich ihn bekommen habe und ob ich ihn einfach so geschenkt bekam oder zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Aber ich weiß nur, wenn es zum Posenangeln oder auch zu einem Kurzansitz mit der leichten Grundrute, dann ist er immer noch mein treuer Begleiter. Haken, Posen, Schrotblei, ein paar leichte Futterkörbe, ein paar künstliche Friedfischköder, Rig-Zubehör und – warum auch immer – noch ein Fläschchen „Back-Aroma Butter-Vanille“ befinden sich in ihm, sicherlich auch seit mindestens 20 Jahren.

Wenn ich ihn durch die Gegend trage, schnappt der Verschluss oft halb auf und man muss dann ein wenig aufpassen, dass nicht alles durch die Gegend fliegt. Aber sonst ist er treu und hat schon viele Orte auf dieser Angelwelt gesehen. Davon zeugen auch noch die Aufkleber auf ihm, die ich in den Anfangstagen meiner Anglerlaufbahn anbrachte. Ein Garfield-Aufkleber, ein Shakespeare-Button und vor allem der Hinweis auf die „Discothek Speicher, Weißenhäuser Strand“, an dem wir damals in den achtziger Jahren unseren Familienurlaub machten. Ob es die noch gibt?

Den Kasten gibt es auf jeden Fall immer noch, und ihn werde ich auch nicht mehr hergeben. Er hat allen anderen viel moderneren und praktischeren Alternativen standgehalten. Mein Taschenarsenal füllt mittlerweile meinen halben Angelkeller, auch die Geräteboxen nehmen einen großen Teil ein, aber dieser kleine rot-schwarze Angelkasten hält tapfer die Stellung. Damit ich mich auch noch irgendwann mit 60 am Wasser fühlen kann, als wäre ich erst 10. Danke, Angelkasten!

AM HAKEN