Aus dem Leben eines Specimen Hunters

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Gerade jetzt, wo der der Winter sich noch windet und aufbäumt, das Wetter Kapriolen schlägt, ist die große Zeit der kleinen Träume.

Ich lümmel vor dem Fenster, als ob ich damit den Regen, Wind und die klammen Temperaturen mit einem Blick austreiben könnte.

Ich warte und hoffe eigentlich nur, dass die Temperaturen endlich etwas ansteigen. Der Regen ist nämlich nicht schlecht. Er bringt Leben in das kalte Wasser. Regen und Wind wirbeln die Schichten durcheinander und wärmen die Gewässer auf. Jedes Grad macht sich bemerkbar.

Und jedes Jahr träume ich, wenn die ersten Sträucher und Bäume austreiben, den Traum der ersten Schleie im Kescher.

Das erste Grün des Jahres, sei es Baum oder die wunderschöne Schleie, ist immer wieder ein Ereigniss.

Mit einem Wurfecholot ausgerüstet, einem halben Liter Maden, kleinen Würmer und einer feinen Posenrute mache ich mich dann auf dem Weg an ein kleines Gewässer in der Nähe.

Gute Schleiengewässer sind selten geworden. Oft aber leben die grünen Divas versteckt und unbeachtet in vielen Gewässern, man muss es nur schaffen an den Satzkarpfen der letzten Saison vorbei zu angeln.

Ich verwende daher gerne Lebendköder wie Maden. Nur keine Pellets!

Am wärmsten Eck des Gewässers, mit dem Wind im Gesicht, und im Idealfall in der Nähe von neu wachsenden Wasserpflanzen wähle ich meinen Platz.

Das Wurfecholot ist mitlerweile ein treuer Begleiter. Tiefe und Temperatur werden mir auf dem Smartphone angezeigt. Es geht natürlich auch klassischer, aber warum nicht die Technik nutzen wenn man sie schon hat.

Manchmal montiere ich extra eine alte Stachelschweinpose, quasi um den Geist des neumodischen Schnickschnack auszutreiben. Weite Würfe sind meistens nicht nötig.

Etwa zwei Handvoll Maden oder auch etwas gekochtes Getreide mit Hanf vermischt an den Platz sollen genügen. Zu viel Futter lockt nur Karpfen an.

Während des Angelns schieße ich immer wieder ein paar Leckerlies ein.

Nun beginnt das warten. Aber selbst diese Zeit ist im Frühjahr nicht verschwendet. Eigentlich ist es keine Minute am Wasser. Man kann die neuen Energien spüren wenn die Natur sich regt. Die Winterlethargie abstreifen.

Dann taucht die Pose langsam ab und der erste Fisch hängt am Band.

Und wenn einem dann sogar die schmaragdfarbene Schönheit mit ihren Rubinaugen aus dem Kescher anblickt, beginnt für mich die neue Saison irgendwie richtig. Im Winter gibt es natürlich genug schöne Fische zu fangen. Döbel, Rotaugen, Quappen und Äschen zum Beispiel.

Aber das erste Grün bleibt einfach das erste Grün.

Patrick Heck