"Eine tolle Gemeinschaft, die ich nicht mehr missen möchte"

Interview des Monats

Mit Uwe Pinnau, Präsident des Deutschen Hechtangler-Clubs

Wenn er nicht gerade irgendwo in Deutschland oder der Weltgeschichte seinem Lieblingsfisch nachstellt, vertritt Uwe Pinnau als Präsident den Deutschen Hechtangler-Club auf Messen und Veranstaltungen. Unser Autor Clemens Strehl traf ihn beim Tag der offenen Tür des Ruhrverbandes an der Möhnetalsperre und sprach mit ihm über das Jubiläum des DHC, Sternstunden am Wasser und sein Faible für das Friedfischangeln.

Am Haken: Hallo Uwe, wie würdest Du den Deutschen Hechtangler-Club in drei Sätzen beschreiben?

Uwe Pinnau: Viel Gewinn für kleinen Einsatz. Es kostet nur 25 Euro im Jahr und man bekommt viel mehr raus. Es ist eine tolle Gemeinschaft, die ich beim Angeln nicht missen möchte.

Am Haken: Was zeichnet den DHC aus? Was erwartet neue Mitglieder?

Pinnau: Es gibt Mitglieder, die sind bei uns, weil sie sich denken, da kann ich als Profi mit gleichgesinnten, erfahrenen Anglern eine tolle Zeit verbringen. Wir haben aber auch die Mitglieder, die noch nicht so viel in Sachen Hecht gemacht haben. Entweder als alter Hase zu alten Hasen begeben. Oder als Neuling dazugesellen und was Neues lernen. Denn Neueinsteiger lernen viel bei uns. Man fährt zu den Treffen und wird auch bildlich gesprochen mitgenommen, wenn man sich ein bisschen einbringt. Das habe ich schon häufig erlebt, nach dem Motto: „Das hab ich ja noch nie gemacht.“ Viele Leute fahren dann viel schlauer nach Hause, weil sie sich bei vielen anderen was abgucken konnten. Außerdem haben wir eine breit gestreute Mitgliederschaft. Wir haben die Leute, die an Niederungsflüssen in Norddeutschland angeln und andere, die angeln in den Voralpenseen. Das ist von der Methodik her ein weites Feld, und gerade für Einsteiger gibt es viel zu entdecken. Hechtangeln ist eine weite Klaviatur, bei der weit mehr als nur eine Taste gespielt werden kann.

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Am Haken: Kann man also sagen, es geht über die klassische Forumsgeschichte hinaus? Social Media zum Informieren und Austauschen ist schön und gut, aber was zählt, lernt und erlebt man am Wasser?

Pinnau: Ja genau, es ist die Praxis die zählt. Man kommt an Gewässer, wo man sonst alleine nie hingefahren wäre und lernt diese gemeinsam kennen.

Am Haken: Das zeigt sich ja auch eindrucksvoll an eurer Bilderwand hier.

Pinnau: Danke! Dieses Jahr ist übrigens etwas Besonderes. Wir feiern das 25-jährige Bestehen des Clubs. Wir treffen uns in Mecklenburg. Da wird viel geangelt. Dazu gibt es noch eine Tombola und die Sau am Spieß mit Bier vom Fass. Es wird eine tolle Truppe zusammen kommen.

Am Haken: Apropos „viel Angeln“: Was macht denn ein Hechtangler wie Du in der Schonzeit?

Pinnau: Der vertritt den Club auf Messen und Events (grinst). Tatsächlich bin ich als Angler ein bisschen breiter aufgestellt, ich fische auch auf Friedfische. Oder ich gehe, wo es erlaubt ist, Fliegenfischen auf Forellen oder klassisch zum Barschangeln. Oder man fährt nach Mecklenburg-Vorpommern, wo es teilweise keine Schonzeit für den Hecht gibt.

Am Haken: Also steckt Allrounder-Blut in Dir?

Pinnau: Mir macht im Prinzip jede Angelart Spaß, zum Beispiel Feederangeln. Hecht ist zwar der Schwerpunkt, wo die meiste Energie und der größte Elan reinfließt, aber ich mache auch gerne Barbenangeln und finde, wie schon gesagt, Barschangeln auch toll, oder Rotaugen mit der Schwingspitze und eben Fliegenfischen ab und an.

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Am Haken: Zurück zu deinem Schwerpunkt: Was sind deine drei Favoritenköder, die Du immer mitnimmst, wenn Du hier auf den Möhnesee fährst?

Pinnau: Lass mal überlegen. Castaic, ganz klassisch, Nils Master und einen relativ schnell sinkenden Jerkbait. Vom Ufer würde ich den Köder nicht zu groß wählen, damit man ein bisschen weiter werfen kann. Eine Zehn-Zentimeter-Sandra mit einem 21-Gramm-Bleikopf zum Beispiel. Oder eine Dropshotausrüstung. Auf alle Fälle nichts sehr Aufwändiges und zu Teures. Und nicht zu stark mit Drillingen bestückt, um Hänger zu reduzieren. Und besser nicht zu große Twister und Gummifische. Da reicht der Einzelhaken sonst nicht für ein sicheres Haken.

Am Haken: Jetzt sind wir ja heute an den Talsperren des Sauerlands. Wie schätzt Du die ein? Auch im Vergleich zu all den anderen Gewässern in Deutschland, die Du in Deiner Angel-Karriere kennengelernt hast?

Pinnau: Es ist ein gepflegter Fischbestand vorhanden und man merkt, dass das hier ein Gewässer ist, bei dem es im Vergleich zu anderen Regionen nicht darum geht, möglichst viel herauszuwirtschaften. Und ich finde, hier wird vom Ruhrverband recht viel für die Angler getan. Insofern ist es ein lohnendes Ziel, es macht einfach Spaß, hier zu angeln. Die Talsperren sind auch für sich total verschieden, auch wenn viele das gerne in einen Topf werfen. Talsperre ist nicht gleich Talsperre und das macht die Sache hier im Sauerland so interessant.

Am Haken: Hast Du abseits vom Möhnesee auch ein Gewässer in der Region, zu dem zu gerne fährst?

Pinnau: Ja, ich bin sehr gerne am Sorpesee. Ich habe kein Boot, daher leihe ich mir gerne eins vor Ort. Am See kann man sich prima ein Boot leihen. In der Saison gibt es einen Schwimmsteg am See, da liegen immer Boote. Der Sorpesee ist für mich gut greifbar. Er ist nicht zu groß, so dass man sich auch an einem Angeltag sehr gut einen Überblick verschaffen kann, welche Ecken grade lohnend sind.

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Am Haken: Und an der Sorpe schleppst Du dann auf Hecht?

Pinnau: Nicht nur. Ich habe auch immer Spaß am Renkenangeln. Das ist eine geile Angelei! Das sind unglaublich starke Fische an diesem leichten, feinen Gerät. Daher mache ich es häufig so, dass ich schleppend auf Hecht zu den stationären Spots zum Renkenfischen hinfahre. Dann wiederum angle ich auf Renken, bis der nächste Spotwechsel wieder eine kleine Schlepprunde auf Hecht einläutet. Das versuche ich häufig beides zu koppeln.

Am Haken: Klingt gut. Und wenn Du jetzt ein Angelerlebnis herausgreifen würdest, wo du sagst, das war wirklich toll im Sauerland? So ein Tag, an den du dich noch in zehn Jahren erinnerst?

Pinnau: Ich hatte mal mit meinem Kumpel Christoph zusammen einen Tag, es ist auch schon einige Jahre her, da hatten wir eine wahnsinnig hohe Bissfrequenz. Das war so ein Tag, wo man im Auto saß und sich gedacht hat: Naja, wenn heute jeder einen Biss hat und vielleicht auch noch ein Fisch nach oben kommt, dann wäre das ja schon ganz gut. Allerdings war es so, dass ich beim ersten Auslegen des Köders den Bügel von der Rolle gerade mal umgelegt hatte, da gab es schon Fisch und augenblicklich war die Rute krumm! Und schon hatten wir den ersten Hecht. An dem Tag ging es bestimmt in den zweistelligen Bereich. Das war richtig gut! Und dann noch viele Jahre vorher, da war auch so ein Tag, wo wir zweistellig Bisse verwandeln konnten. Es war im Prinzip egal, welchen Köder wir dranghängten. Zur Krönung war auch noch ein großer Barsch dabei.

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Am Haken: Echte Sternstunden!

Pinnau: Ja, dass sind so die Sternstunden, von denen man immer wieder erzählen kann. Da erinnert man sich genau, welcher Köder gut ging. Oder ob eben alle liefen. Und das Schöne ist, wenn man einmal so einen guten Tag hatte, dann kann man sich daran hochziehen und motivieren, wenn es nicht so gut läuft. Denn eine Sternstunde ist ja nicht alltäglich. Aber nach schlechten Angeltagen kommen die guten immer wieder.

Am Haken: Was steht für dich in dieser Saison sonst noch an?

Pinnau: Ich freue mich sehr auf meine Irlandreise im September. Es wird zum Lough Erne gehen. Da war ich schon zwei Mal und es war beide Male richtig gut. Und ich denke, dass ich mit dem Wissen von zwei Touren dieses Mal noch mehr umsetzen kann und wir eine tolle Zeit haben.

Am Haken: Und dann geht’s auch mit dem Streamer los?

Pinnau: Für mich eher nicht, das wäre eher was im Frühjahr und noch später im Herbst. Es wird eher eine Kunstködertour mit der Spinnrute und dazu fischen wir mir Naturködern. Naturköder lass ich in Irland nie außer Acht, weil die dort immer sehr gut laufen. Eine sehr gute Strategie ist es dann, mit dem Boot zu driften und vorne raus mit Spinnködern zu fischen. Nebenbei hat man hinten raus ein Rotauge als Köderfisch laufen.

Am Haken: Dann nimmst Du eine Schlepppose?

Pinnau: Genau. Die beiden letzten Male lief es zunächst gar nicht mit den Köderfischen hinten raus, sodass sich die Mitangler an Board schon fragten, was das denn da hinten solle. Doch dann haben wir lange nichts gefangen, aber hinten klackerte die Baitrunner Rolle plötzlich auf. Da, wo die Kunstköder schon drüber liefen und ignoriert wurden, hat der Köderfisch gefangen! Hechte halt, da weiß man nie, wie die gerade ticken. Das macht sie ja so faszinierend.

Am Haken: Uwe, wir danken für das nette Gespräch!

 

Infos:

 

Deutscher Hechtangler Club: www.deutscherhechtangler-club.de

Bootsverleihe Sorpesee: www.angeln-im-sauerland.de/unsere-seen/sorpesee

 

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