Daiwa oder Shimano?

Ans Wasser mit der Daiwa

Ohne Frage, ich bin Daiwa-Anhänger. Das robuste und reduzierte Design der hochwertigen Spinnrollenserien wie Exist, Certate, Luvias oder Infinity Q hat es mir angetan. Unvergessen ist die Supersport-Serie aus den späten Siebzigern, für mich nach wie vor eine der schönsten und solidesten Stationärrollen, die je gebaut wurde. Daiwa-Rollen sind exzellent verarbeitet, robust und wartungsarm. Es wird auf minimales Spiel in den Lagern und Verbindungen gesetzt. Nichts wackelt, nichts schlackert, das ist hohe Ingenieurskunst und Ergebnis bester eigener Forschung und Entwicklung.
Dabei war das mit der eigenen Forschung und Entwicklung bei Daiwa nicht immer so im Vordergrund. In den frühen siebziger Jahren noch stand Daiwas "Made in Japan" eher für gute Kopien europäischer Marken aus dem Land der Morgenröte. Eine Randnotiz aus dieser Zeit ist, wie in einer Talkshow der damalige schwedische Chef von Abu vor den Augen des Daiwa-Chefs eine Daiwa-Multirolle auseinandernahm, Teile ausbaute und diese Teile in eine Abu-Multirolle einbaute, die dann anstandslos funktionierte.
Inzwischen hat Daiwa aber Abu Garcia und eigentlich die gesamte Konkurrenz im Rollenbau lange überholt. Ich sehe nur Shimano, die noch wirklich mithalten können bei den Top-Spinnrollen. Doch Shimano wirkte mir viele Jahre zu filigran. Insbesondere bei den Schnurfangbügeln der Stella-Modelle von Shimano habe ich immer gedacht: "Wie dünn die doch sind", das fand ich wenig vertrauenserweckend. Allerdings beobachte ich in den letzten drei Jahren auch, wie sich das Shimano-Design in Sachen robuster Optik mehr dem Daiwa-Design annähert.
In 2018 hat Daiwa bei seinen Spinnrollenserien noch einmal drastisch das Gewicht nach unten geschraubt, was ich eine sehr lobenswerte Initiative finde, angesichts der Tatsache, dass ja auch die Ruten immer leichter werden. Ansonsten werden Konzepte wie magnetisch versiegelte Lager (mag-sealed) und verdrallungsfreie Schnurlaufröllchen (Twist-Buster) nach und nach auch in den günstigeren Serien umgesetzt.
Im Rutenbau ist Daiwa heute eine Bank. Serien wie Morethan, Team Daiwa, Samurai, Infinity Q oder Exceler stehen für hervorragende Ruten im jeweiligen Preissegment. Die Ruten sind von hoher Fertigungspräzision und exzellenten Wurfeigenschaften gekennzeichnet.
Ich will gar nicht bestreiten, dass sich auch viel Shimano-Gerät in meinen Beständen befindet Die machen auch keine schlechten Sachen. Aber Daiwa-Gerät fische ich lieber. Im Rennen um das jeweils beste Produkt für meine Einsatzzwecke hat Daiwa für mich fast immer die Nase vor Shimano. Trotzdem würde ich nicht weinen, wenn plötzlich eine Stella-Rolle oder Lesath-Rute von Shimano unter dem Weihnachtsbaum läge (nur mal so als Tipp an meine Frau ;-)). Ans Wasser ginge dann wahrscheinlich bald doch wieder eher das Daiwa-Gerät. Aber das ist natürlich meine ganz subjektive Sicht.   Marcel Winkens

LEGALIS_LT 2017-130048.jpg


Die Rolle fürs Leben

In machen Foren gibt es immer mal wieder die Frage: Die Rolle fürs Leben, welche soll es sein? Und dann kommen alle Kommentatoren ins Grübeln, weil die heutige Zeit ein wenig zu schnelllebig geworden ist für solche Fragen oder gar für solche Ansprüche. Wieso etwas fürs Leben haben wollen, wenn spätestens in ein paar Jahren schon etwas Tolleres auf den Markt kommt? Das ist ja bei Angelrollen genauso wie bei Autos und vielen anderen Dingen, und so bleibt die endgültige Antwort auf diese Frage meistens aus.
Ich kümmere mich nicht darum, denn ich habe sie bereits, die Rolle des Lebens. 99 Mark hat sie damals bei Moritz in Wesel gekostet, damals wusste ich noch gar nicht, dass es zwischen uns etwas für die Ewigkeit sein würde, aber wir haben schon so viel zusammen durchgemacht, dass wir uns nicht mehr trennen werden. Ich gebe zu, ich habe neuere, teurere, schönere Modelle gefischt, aber am Ende hängt, wenn ich auf Hecht, Zander oder auch auf Meerforelle angle, immer sie an der entsprechenden Rute: die Symetre 4000 FG.
Sie ist kein optisches Schmuckstück mehr, die Wicklung nicht mehr perfekt, die Kurbel eiert auch ein wenig, aber dafür läuft sie so leicht wie keine andere Rolle, wenn ich die Kurbel einmal andrehe. Auch auf die Bremse vertraue ich zu 100 Prozent. Ich habe mit ihr meinen einzigen Meterhecht gefangen, meine erste und meine größte Meerforelle und was weiß ich noch für andere Fische. Die Pflege? Ich hatte sie einmal auf und fette sie alle paar Jahre mal, das war's.
Dabei hatten mir meine Mitangler schon prophezeit, dass ich sie wegschmeißen könne, als ich ihr damals vor Freude über meine erste Meerforelle ein ausgiebiges Ostsee-Bad gönnte. Das hat sie aber unbeschadet überstanden, wie so viele andere Einsätze. Ich fische sie mit Geflochtener wie auch mit Mono, über die Jahre habe ich mir drei oder vier Ersatzspulen für ein paar Euro bei Ebay zugelegt. Vor ein paar Monaten gönnte ich mir noch eine Symetre 3000 für die etwas leichteren Einsätze. Klar war sie gebraucht, aber sie wird trotzdem ewig halten, da bin ich mir sicher. Knapp 30 Euro für eine weitere „Rolle fürs Leben“ sind ein Schnäppchen, finde ich.
Wenn man unter Friedfisch- und Karpfenanglern mal nachfragt, fischen viele noch die alten Shimano Baitrunner, die Klassiker unter den Freilaufrollen. Tolle Bremse, unkaputtbar, auch für die Ewigkeit gebaut. Ab und zu brauche ich mal eine Rolle für eine andere Angelart. Dann schaue ich natürlich bei Shimano nach. Einige Angler behaupten, die neuen Rollen halten nicht mehr so lang. Aber das ist wahrscheinlich eher eine Glaubensfrage.     Dirk Brichzi

WP_20180413_10_49_11_Pro.jpg