Teamsportler oder Individualist?

„The best thing in fishing is the buddy you take with you“ heißt ein altes englisches Anglersprichwort. Frei übersetzt: Alleine angeln ist öde! Ist das wirklich so? Wir lassen zwei Glaubensrichtungen ihre Meinung kundtun, den Teamsportler und den Individualisten.

 

Ich will meine Ruhe!

„Wer einsam ist, der hat es gut,
weil niemand da, der ihm was tut.
Und keiner gibt ihm weise Lehren,
die gut gemeint, doch bös zu hören.“
Dieses Zitat frei nach Wilhelm Busch bringt ganz gut auf den Punkt, warum für mich die Angelei alleine am schönsten ist. Ich schätze die Einsamkeit beim Angeln und die damit verbundene Ruhe und Entspannung. Klar rede ich auch gerne über Fische, Gerät, Gewässer und den neuesten Klatsch, aber eben nicht am Wasser und nicht beim Angeln. Da will ich meine Ruhe. Und gucken Sie doch selbst mal auf Ihre Sternstunden am Wasser. Ich würde wetten, die Mehrzahl haben Sie alleine erlebt.
Denn alleine ist man leiser. Ich kann fast sagen, dass ich alle meine persönlichen Bestmarken beim einsamen Angeln gefangen habe, das etwa die Hälfte meiner Angeltage im Jahr ausmacht.
Und auch das Naturerlebnis ist intensiver, wenn man alleine unterwegs ist. Eisvogel, Biber, Otter oder Nutria fühlen sich nicht durch Stimmen gestört und kommen näher an den Angelplatz.
Außerdem ist man ja auch viel flexibler, wenn man alleine unterwegs ist. Man kann an mehr Plätzen angeln, die für zwei oder mehr Angler zu eng wären und man kann schneller die Angelstelle wechseln. Man kann machen, wonach einem selbst der Sinn steht. Und das ist etwas, was sich ansonsten im Alltag nur selten realisieren lässt: Einfach mal machen, was man will.
Klar gehe auch ich mit Freunden ans Wasser. Aber ich bin dann nicht so fokussiert. Ich sehe zu, wie sie ihre Fliegenschnüre auf das Wasser peitschen, ihre Schlagschatten die Bachforellen noch dichter unter das Ufergehölz drücken und wie manch gute Chance auf einen schönen Fisch gemeinsam verstreicht. Außerdem ist gemeinsam die Einkehr im Wirtshaus zum goldenen Hecht ja oft viel lohnender, als noch eine Stunde weiter zu fischen. Gemeinsam Angeln gehen hat sicher auch was, aber wenn ich aussuchen darf, dann gehe ich doch lieber alleine ans Wasser, fokussiere mich auf die Angelei und genieße die Natur mit allen Sinnen. Marcel Winkens

 

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Angeln ist langweilig!

Ja, ganz im Ernst! Zumindest, wenn man alleine loszieht. Mit wem freut man sich denn über die gefangenen Fische? Wer hilft einem beim Keschern? Mit wem kann man mal ein paar Sätze quatschen, wenn sich beim Ansitz eine Weile lang nichts tut? Stellen Sie sich vor, Sie fangen den Fisch Ihres Lebens und niemand ist dabei. Keiner, der ein tolles Foto macht, das Sie sich immer wieder anschauen werden, keiner, der mitjubelt, wenn Sie Ihre Freude hinausschreien, keiner, der genau weiß, wie es war in diesem Moment, was Sie dort erlebt und gefühlt haben.

Allein schon die gemeinsame Vorfreude auf einen Angeltrip ist durch nichts zu überbieten. Was für Futter nimmt man mit, welche Köder packt man ein? Wo genau geht es hin? Treffen, noch schnell was einkaufen, die gemeinsame Fahrt zum Wasser, allein das steigert schon die Freude auf das gemeinsame Erlebnis, was da kommen mag. Vielleicht bin ich deshalb mittlerweile so ein großer Fan des Ansitzangelns, weil man dort gemeinsam den Tag erlebt und Beißflauten mit einem kleinen Plausch überbrücken kann. Beim Spinnfischen ist es leider oft so, dass sich die Leute am Wasser schnell voneinander entfernen und ihren eigenen Weg gehen – was sehr schade ist.

Auch wenn Marcel das hohe Lied auf die Einsamkeit am Wasser sind – wir haben schon ein paar tolle, gemeinsame Momente am Wasser erlebt. Der dicke Karpfen an seinem Vereinssee, den ich im Drill verlor, oder seine tollen Barsche im gemeinsamen Schweden-Urlaub – alleine wäre das alles nur halb so schön gewesen. Ich werde ihn demnächst mal wieder zum gemeinsamen Angeln einladen. Dann wird er sich schon von meiner Sichtweise überzeugen lassen... Dirk Brichzi

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