Großes Taumeln am Forellensee

Wenn man über moderne Angelmethoden für den Forellensee sprach, hatte man dabei bis vor kurzem noch ausnahmslos das aus Italien stammende Tremarella- und Bombardenangeln vor Augen. Mittlerweile ist allerdings noch eine andere Spielart dazu gekommen, die zunehmend mehr Anhänger findet: das Ultralight-Spinnfischen. Unser Autor hat sich den neuen Trend mal genauer angesehen.

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Von Marco Mariani (Text und Fotos)

Kaum eine Angelart hat zuletzt so viele neue Fans gefunden wie das ultraleichte Spinnfischen, das an immer mehr Forellenseen erlaubt ist. Der für diese Technik symbolträchtigste Köder ist zweifelsohne der Spoon, welcher genau genommen eine Miniaturversion unseres altbekannten Löffels bzw. Blinkers darstellt. Einige kritische Stimmen könnten daher nun argumentieren, dass sich hinter dem aktuellen Spoon-Hype eigentlich überhaupt nichts Neues verbirgt und anmerken, dass beispielsweise der Heintz-Blinker schon seit mehr als 100 Jahren von Anglern auf der ganzen Welt verwendet wird. Auch wenn das klassische Spinnangeln seine Ursprünge im europäischen Raum haben mag, bedurfte es der Japaner, um zu verstehen, dass sich Blinker nicht nur an großen Flüssen und Naturseen gut machen. Für den Forellensee mussten die herkömmlichen Modelle extrem verkleinert und modifiziert werden. Um meinen Sprachgebrauch somit dem neuen Trend anzupassen und gleichzeitig auch auf die konstruktiven Unterschiede hinzuweisen, werde ich hier in diesem Zusammenhang stets von Spoons denn von schnöden Blinkern sprechen.

Gerüchteweise geht die Technik auf amerikanische Soldaten zurück, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan stationiert waren und dort anfingen, an entsprechenden Teichanlagen zu angeln. Zu dieser Zeit waren die Gerätschaften und auch die zugehörige Philosophie aber natürlich noch ganz andere. Im Laufe der Zeit wurde die Spoonangelei jedoch stets weiterentwickelt und optimiert. Unter dem Begriff „Trout Area“ hat sich dann letztendlich eine ganz spezielle Ausprägung der Forellenangelei in Japan etabliert.

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Wenn man heutzutage der reinen Lehre der Trout Area-Angelei folgt, so ist striktes Catch & Release oberstes Gebot. Für die japanischen Angler steht das Wohl des Fisches an erster Stelle, und sie gehen dabei sogar so weit, dass die gefangenen Forellen auf keinen Fall angefasst werden dürfen. Um den Haken nach Möglichkeit sogar noch im Wasser lösen zu können, verwenden sie einen sogenannten Releaser. Hierbei handelt es sich um einen Stab, an dessen Ende ein speziell gebogenes Drahtstück angebracht ist. Dieses Drahtstück wird an der gespannten Schnur zum Fisch hinuntergeführt und drückt den Haken aus dem Fischmaul, ohne dass es dabei zur Berührung des Fangs kommt oder er aus dem Wasser gehoben werden muss.

Damit dies auch funktioniert, verfügen alle japanischen Forellenköder über widerhakenlose Einzelhaken. Nur in Ausnahmefällen oder bei Wettkämpfen werden in Japan Unterfangkescher in der Trout Area verwendet. Zur optimalen Fischschonung handelt es sich dann hierbei ausschließlich um Modelle mit Gumminetzen. Diese stellen eine optimale Schonung des Fisches sicher und haben auch den Vorteil, dass sich der Spoonhaken nicht im Gumminetz verfangen kann. Ganz allgemein werden beim Trout Area-Angeln in Japan auch nur Hardbaits akzeptiert. Neben den winzig kleinen Spoons finden somit auch Miniwobbler oder -jerkbaits Verwendung. Sämtliche Gummiköder sind jedoch strikt verboten, da die Fische Teile davon abbeißen und verschlucken könnten.

Der Trend des Trout-Area-Angelns schwappte vor einigen Jahren zunächst nach Italien und erreicht nun schließlich auch uns. Darüber hinaus blickt auch Russland mittlerweile auf eine recht lange Tradition des Spoonangelns am Forellensee zurück. Anders als in Italien und Japan, hat man sich bei uns jedoch nur die Angeltechnik und nicht auch die zugehörige Catch&Release-Philosophie angeeignet. Diese würde mit unseren rechtlichen Grundlagen derzeit nur schwer vereinbaren lassen und sowohl Anglern als auch Anlagenbetreibern zwangsläufig einiges an Ärger bescheren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass man bei uns in naher Zukunft Spoonangler mit einem Releaser am Forellensee sehen wird. Unter Umständen würden diese Gerätschaften jedoch beim Angeln an freien Gewässern Sinn machen, wenn einmal ein untermaßiger oder aber geschonter Fisch den Köder nehmen sollte. Der Verzicht auf die hundertprozentige Übernahme der Trout-Area-Philosophie ist auch der Grund dafür, dass sich bei uns auch zahlreiche Spoons mit Widerhaken auf dem Markt finden lassen. Trotzdem hat sich aber zumindest der Einzelhaken etabliert.

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Einer der Gründe hierfür ist, dass dies an zahlreichen Forellenseen so vorgeschrieben wird. Die baulichen Unterschiede von Spoons gegenüber herkömmlichen Blinkern waren bei uns anfangs nämlich nicht allen ganz klar, was dazu führte, dass einige hiesige Anlagenbetreiber noch Bedenken gegenüber den kleinen Kunstködern hatten. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass diese unbegründet waren. Die größte Sorge der Anlagenbetreiber war es, dass einige schwarze Schafe die Fische mit den Kunstködern absichtlich seitlich haken würden um somit leichter an ihren Fang zu kommen. Nachdem die modernen Forellenköder jedoch praktisch ausnahmslos auf klassische Drillinge verzichten und nur mit einem Einzelhaken ausgestattet sind, besteht diesbezüglich kaum mehr Gefahr als bei der Verwendung von herkömmlichen Naturködern.

Der Einzelhaken ist allerdings fast auch schon das einzige Merkmal, welches sich die neuartigen Forellenköder zum Spinnfischen teilen. Man findet Spoons in den unterschiedlichsten Größen, Farben und Formen. Sogar UV-aktive Varianten sind beim gut sortierten Fachhändler erhältlich. Einige Angler sind mittlerweile schon nahezu besessen von den kleinen bunten Spoons und verfallen schnell in eine Art Sammelfieber, die den eigentlich notwendigen Bedarf zum Angeln um ein weites überschreitet.

Moderne Spoons zum Forellenangeln sind teilweise kaum größer als ein Fingernagel und erreichen selten Längen von mehr als 3,5 Zentimeter. Die Gewichte liegen in der Regel zwischen 0,5 und 3,5 Gramm. Was früher von den meisten Anglern also als winzig kleiner Kunstköder betrachtet wurde, ist beim Spoonangeln mittlerweile oft schon ein ganz schön dicker Brocken.

Das Schöne am Spoonangeln ist, dass es nur einer sehr kleinen Ausrüstung bedarf, um am Ende des Angeltags den Forellensee erfolgreich zu verlassen. Auch die Montage ist denkbar einfach und schnell aufgebaut. Dies hat sicher mit dazu beigetragen, dass diese Art der Angelei zurzeit so beliebt bei uns ist. Grundsätzlich reichen eine kleine Rute, eine dazu passende Rolle und eine Hand voll unterschiedlicher Spoons schon aus. Experten haben allerdings meist trotzdem einen kleinen Angelkasten und zwei oder drei Ruten mit verschiedenen Wurfgewichten dabei um ihre Spoons stets optimal präsentieren zu können. Dies ist aber eben kein Muss, da eine einzelne Rute absolut ausreichend sein kann. Sie muss nur richtig gewählt werden.

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Für die ersten Versuche muss es aber noch nicht einmal eine spezielle UL-Rute sein, die man zum erfolgreichen Spoonangeln braucht. Zur Not tut es auch eine herkömmliche leichte Spinnrute, selbst wenn sich diese beim Auswerfen der leichten Köder wahrscheinlich nicht optimal auflädt und auch im Drill eine suboptimale Aktion zeigt. Ebenso denkbar ist es, anfangs eine entsprechend feine Tremarella-Rute zu verwenden, die ja grundsätzlich auch für solch geringe Wurfgewichte entwickelt wurde. Durch die Länge ergeben sich allerdings Nachteile bei der Köderführung und Handlichkeit.

Wer dann doch lieber auf eine spezielle Spoonrute zurückgreifen möchte, der sollte die folgenden Eckdaten im Kopf haben. Die Länge einer Spoonrute reicht meist kaum über zwei Meter, da nur selten sehr extrem weite Würfe an den Forellenseen nötig sind und auch keine langen Vorfächer zum Einsatz kommen. Im Allgemeinen erstreckt sich das Angebot von ca. 1,65 bis maximal 2,10 Meter Rutenlänge. Am verbreitetsten sind Modelle mit ca. 1,85 Meter. Auch das Wurfgewicht der Rute sollte nur in Ausnahmefällen 6 Gramm überschreiten und am besten bei 0,3 oder aber 0,5 Gramm anfangen. Wie schon erwähnt, wiegen die meisten Spoons weniger als 3,5 Gramm, und zu starke Ruten laden sich beim Werfen einfach nicht richtig auf, was dafür sorgt, dass die maximal erzielbare Wurfweite damit sehr überschaubar bleibt.

Ebenfalls wichtig sind hochwertige Rutenringe, die für die Verwendung von geflochtenen Schnüren ausgelegt sind. Als Hauptschnur dient Profis nämlich oft eine sehr feine, rundgeflochtene Schnur mit Durchmessern von 0,04 bis 0,08 mm. Für eine möglichst hohe Geschmeidigkeit sollte sie aus acht Strängen geflochten sein. Dies sorgt für einen geringen Reibungswiderstand beim Werfen und eine gute Wahrnehmung der Bisse aufgrund der nahezu fehlenden Dehnung. Natürlich funktioniert aber auch eine dünne monofile Schnur mit einem Durchmesser von ca. 0,16 mm. Auch eine beinahe vollparabolische Aktion ist wichtig, damit selbst bei großen Fischen möglichst dünne und unauffällige Vorfächer verwendet werden können, die meist aus Fluorocarbon mit 0,14 oder aber 0,16 mm Durchmesser bestehen.

An solch einer zierlichen Rute sollte nach Möglichkeit auch eine entsprechend klein dimensionierte Stationärrolle zum Einsatz kommen. Bewährt haben sich Modelle in Größen zwischen 1000 und 2000. Diese harmonieren aufgrund ihres niedrigen Gewichts gut mit den leichten Spoonruten und bringen sie nicht aus der Balance.

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Das bereits angesprochene schier unüberschaubare Angebot an Spoons unterschiedlichster Machart erleichtert es dem Angler nicht unbedingt zu wissen, welchen Spoon er nun in welcher Situation einsetzen muss. Um hier zumindest etwas Licht ins Dunkle zu bringen, möchte ich kurz auf unterschiedliche Formen und Farben eingehen. Allerdings kann dies natürlich nur als grobe Richtlinie betrachtet werden, da es einfach zu viele Variationen von Spoons gibt. Und Ausnahmen bestätigen natürlich sowieso immer wieder die Regel. Besonders beim Angeln.

Bevor man sein Glück nun am Forellensee auf die Probe stellt, sollte man allerdings in etwa einschätzen können, welches Laufverhalten welche Spoonform mit sich bringt.

  • Anfangen möchte ich mit den relativ breiten Spoons, die aufgrund ihrer eher gedrungenen Form relativ schnell zum Grund absinken und dementsprechend tief laufen. Sie eigenen sich also sehr gut, um Fische in den unteren Wasserschichten zu beangeln. Wenn man an dieser Stelle allerdings von einem schnelleren oder langsameren Absinkverhalten spricht, muss man sich natürlich stets vor Augen halten, dass die Unterschiede nur marginal sind. Es geht hier ja immerhin um Köder, die im Normalfall nicht mehr als dreieinhalb Gramm wiegen, meistens sogar deutlich weniger. Der Nachteil von eher breiten Spoons ist allerding ihr verhaltenes Flugverhalten, welches sie eher für ufernahe Einsätze und mittlere Distanzen prädestiniert.

 

  • Das absolute Gegenteil der kompakten und breitbauenden Spoons sind schmale, längliche Modelle. Diese arbeiten meist sehr gut in oberflächennahen Gewässerschichten. Jetzt in der kalten Jahreszeit erzielt man mit ihnen beispielsweise hervorragende Ergebnisse, wenn sich die Forellen bei Sonnenschein an klaren Tagen dicht unter der Oberfläche aufhalten. Aufgrund ihrer länglichen Form verursachen sie auch nur einen geringen Luftwiderstand beim Werfen und können entsprechend weit fliegen. Sie sind somit also auch eine sehr gute Option, wenn sich die Fische sehr weit vom Ufer entfernt aufhalten.

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  • Einen Mittelweg gehen die tropfenförmigen, nur leicht gedrungenen Spoons, mit denen man fast immer Erfolg bei den Salmoniden haben kann. Diese sind von der Form her am Karabiner meist etwas schmaler gebaut und verbreitern sich dann zum Haken hin. Dies sorgt für ein relativ gutes Flugverhalten und ein mittelschnelles Absinkverhalten im Wasser. Beim Einholen taumelt der Köder verführerisch von rechts nach links und tut dies meist sogar auch beim Absinken. Daher lässt er sich sehr einfach führen und ist ideal, um die ersten Versuche am Forellensee zu unternehmen. Ideal geeignet sind solche Spoons auch, um die Fische am Anfang des Angeltages in unterschiedlichen Entfernungen und Wassertiefen aufzuspüren.

Auch was die Farben angeht, gibt es einige Richtlinien, an denen man sich orientieren kann.

  • Auffällige und intensiv leuchtende Farben bringen bei aggressiv beißenden Forellen meist sehr schnell den Erfolg. Auch bei angetrübtem Wasser kann es erfolgsfördernd sein, auf helle und auffällige Farbvariationen zu setzen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Zulauf des Forellensees Hochwasser führt und sehr viele Schwebepartikel mit sich führt. Bei bedecktem Himmel sind intensive Grün- und Gelbtöne meist eine sehr zuverlässige Köderfarbe.

 

  • Im Gegensatz zu den intensiven Farbvarianten punkten gedecktere Köderfarben oft auch dann noch, wenn die Fische eher zurückhaltend den Köder nehmen. Auch bei klaren Sichtverhältnissen bringen dunklere naturnahe Farbtöne meist mehr Bisse. In der Regel sind Schwarztöne bei Sonnenschein eine sichere Bank. Ein Zusatzreiz kann hierbei durch die Rückseite des Spoons ausgehen, wenn diese verchromt oder aber goldfarben ist und das einfallende Licht reflektiert.

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Abschließend möchte ich dem Leser noch einige persönliche Ratschläge mitgeben, um die ersten Spoonversuche am Forellensee auch zu einem Erfolgserlebnis werden zu lassen.

Bevor man den ersten Wurf macht, sollte man das Gewässer stets genau beobachten. Meistens kann man die Aufenthaltsorte der Forellen schon ausmachen, ohne überhaupt geangelt zu haben. Verräterische Ringe an der Wasseroberfläche signalisieren eindeutig, wo der Köder hinfliegen muss. Gleiches gilt für Schatten unter der Oberfläche. Wenn hiervon nichts zu sehen ist, kann man immer noch schauen, an welchen Stellen sich die meisten Angler aufhalten. In der Regel sind die Fische nicht weit von diesen entfernt.

Ähnlich wie beim klassischen Tremarellaangeln, ist es auch beim Spoonangeln entscheidend zu wissen, in welcher Tiefe sich die Fische aufhalten. Bietet man seinen Köder nicht auch dort an, wo sich die Fische aufhalten, so bleiben die Bisse meist aus. Anfangs sollte man daher gezielt verschiedene Wasserschichten beangeln um heraus zu finden, wo die Fische gerade stehen.

Monotonie ist meistens nicht der Schlüssel zum Erfolg. Forellen sind Raubfische und verfügen über einen gewissen Jagdinstinkt. Dieser muss möglichst auch angesprochen werden. Beim Einholen experimentiere ich daher stets sehr viel mit der Köderführung und versuche auch möglichst genau zu beobachten, wie sich der Spoon bei unterschiedlichen Einholgeschwindigkeiten, beim Absinken, beim Zittern mit der Rutenspitze oder aber beim simplen Einkurbeln verhält. Diese unterschiedlichen Laufeigenschaften gilt es dann verführerisch zu kombinieren.

Wenn gegen Ende eines Angeltages gar nichts mehr geht, kann man die Einzelhaken der Spoons auch noch mit Gummiwürmern, oder besser noch mit echten Bienenmaden pimpen. Der Geruch der Bienenmade im Wasser und das andere Spiel des Köders kann dann doch noch die eine oder andere Forelle zum Zubeißen reizen. Außerdem lässt die Haptik beim Biss allzu großes Misstrauen bei den Fischen verschwinden. Allerdings sollte man nur relativ schwerere Spoons mit zusätzlichen Bienenmaden bestücken. Die ganz leichten Modelle laufen dadurch nur noch schlecht oder aber gar nicht mehr.