Ab auf die Buhne!

Text: Clemens Strehl

Fotos: Bastian Swillims

 

Ein spätherbstlicher Trip in die Niederlande hält nicht nur wettertechnisch manche Überraschung parat. Auch die Zander lassen sich nicht lumpen.

Der Wecker ist gnadenlos. Doch nach den ersten Schritten im Halbdunkel ins Badezimmer wird mir bewusst, dass dies heute kein normaler Arbeitstag ist. Denn der Grund für das frühe Aufstehen lässt mich frohlocken und zaubert mir ein leichtes Grinsen ins Gesicht. Denn heute geht es rüber in die Niederlande zum Fischen.

 

Eine Dusche ein Kaffee, ein Müsli und ein paar Minuten Fahrzeit später sitze ich im Wagen meines Angelkumpels Bastian. Meine Angelausrüstung, Gummistiefel und Regenjacke habe ich in seinen Wagen umgepackt, nun sprechen wir über Gott und die Welt. Doch je näher uns die Autobahn an unser Ziel bringt, desto enger ziehen sich die Gesprächskreise um die schönste Nebenbeschäftigung der Welt: Angeln!

 

Mieses Wetter, gute Stimmung

 

Wir erreichen schließlich unsere erste Station. Als Bastian den Wagen stoppt und wir aussteigen, ist das Wetter zwar mies, die Stimmung aber umso besser. Gleich soll es losgehen, rauf auf die Buhne und ran an die holländischen Zander. Tatsächlich fische ich nicht zum ersten Mal auf Raubfische in Holland, allerdings zum ersten Mal auf Zander von der Buhne. Wir fischen jetzt mit unseren Gummifschen den Grund an der Strömungskante vor den Buhnenkesseln ab.

 

Es ist schon irgendwie paradox, denn es dauert nicht lange, und ein langer Kreis schließt sich. Bastian und ich fangen zum ersten Mal gemeinsam Fische, nachdem wir vor einer gefühlten Ewigkeit zusammen mit 14 Jahren den Angelschein gemacht haben. Gut 20 Jahre ist das jetzt her. Die Zander sind zwar keine Riesen, aber unsere Freude umso größer. Mein Uferangelguide hatte wohl den richtigen Riecher, welche Buhne heute Morgen gut laufen sollte.

 

Nach diesem tollen Auftakt dauert es leider nicht lange, bis mich die Realität des Buhnenangelns einholt: Hänger! Wer viel in den Niederlanden vom Ufer auf Raubfische angeln geht, kennt das Thema nur zu genüge. Und wer sehr häufig bei unseren Nachbarn unterwegs ist, fängt erst bei zweistelligen Köderverlusten mit lautem Fluchen an, wie Bastian mich aufklärt…

 

Hänger und Glücksbärchen

 

Die nächste Realität, die uns einholt, ist das Wetter. Allerdings hat sich Petrus heute wohl überlegt, immer dann seine Ergüsse über uns loszulassen, wenn wir grade den Spot gewechselt haben und aus dem Auto steigen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es während unserer Kaffee- und Aufwärmpause in einem netten Lokal am Wegesrand natürlich nicht regnet, beim Weg zurück ans Wasser allerdings sogar zu hageln beginnt…

 

Durch den ständigen Regen-Sonne-Mix zeigen sich die Niederlande allerdings auch eindrucksvoll von ihrer landschaftlich reizvollen Seite: Bei einem abermaligen Spotwechsel 

erwischen wir eine Wolkenlücke. Links von uns erstrecken sich graue Wolken, über uns strahlt die Sonne, vor uns liegt der Fluss in seiner herbstlichen Stille und mitten durch die Szenerie leuchtet ein Regenbogen. Eigentlich fehlte nur noch, dass die Glücksbärchen den Regenbogen runter marschieren und mit der Bärenklaue auf die Stelle im Fluss zeigen, an der die Zander stehen…

 

Die Glücksbärchen steigen den Regenbogen leider nicht hinab, und die Sonne verschwindet wieder. Außerdem verliere ich kurz vorm Ufer einen Fisch, nachdem er sich kurz vorher mit einem kräftigen Biss bemerkbar gemacht hatte. Auch Bastian bekommt noch einen Biss, doch der Anhieb geht ins Leere. Auch wenn wir zunächst keine weiteren Zander landen können, motivieren uns diese Bisse. Scheinbar geht noch etwas!

 

Dicker Gummifisch = dicker Zander

 

Ein weiter Stellenwechsel steht an. Wir arbeiten uns von Buhne zu Buhne. Langsam kommen wir in die Dämmerungsphase. Wir beschließen, noch eine letzte Buhne in Angriff zu nehmen, da es wie immer im Spätherbst rasch dunkel wird und wir keine Nachtschicht einlegen wollen. Schließlich liegen auch noch einige Kilometer Heimreise vor uns. Ich beschließe, auf einen wuchtigen Pulse-Shad von Berkley in fluoreszierender Farbgebung zu setzen. Wurf auf Wurf tut sich nichts. Doch plötzlich das ersehnte „Tock“. Hängt! Im Restlicht des Tages verneigt sich meine Rute vor den Kopfschüttlern des Zanders am anderen Ende der Leine.

 

Bastian ist sofort zur Stelle. Der Fisch schlägt jetzt an der Oberfläche, und ich dirigiere ihn in an die Steinpackung heran. Dort greift in Bastian sich mit einem gekonnten Griff, und schon liegt er vor uns, ein makelloser Buhnenzander in ordentlicher Größe! Der perfekte Ausklang für eine tolle Tour vom Ufer auf Zander in Holland. Und das Beste: Nach Bastians Erfahrung war es tatsächlich ein eher verhaltener Tag, was die Bissfrequenz angeht. Wer weiß schon, was beim nächsten Ausflug beißen wird?

 

 

Infobox

 

Das muss mit für die Zandertour von der Buhne:

 

  • Regendichte Kleidung und Gummistiefel (Bei Regen unbedingt achtsam auf den rutschigen Buhnensteinen laufen!)

  • Spinnrute, Wurfgewicht bis rund 60 Gramm ausreichend

  • Stahlvorfächer (Mit Hechten ist immer zu rechnen!)

  • Jigheads in 10 bis 40 Gramm

  • Gummifische in Längen von 10 bis 15 Zentimetern (Hängerreserve nicht vergessen!)

  • Kescher als Landehilfe (Insbesondere an schwer zugänglichen Steinpackungen eine wichtige Hilfe!)

 

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